Als Predigttext nehme ich am heutigen Sonntag einen Text aus dem ersten Kapitel des Johannesbriefes: Johannes, schreibt über die Begegnung mit Jesus – und überschlägt sich vor Begeisterung in seiner Formulierung, denn diese Begegnung mit Jesus war für ihn ein wunderbarer Neuanfang. Johannes schreibt:

 

 

 

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens –  und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei.

 

Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

 

 

 

Soweit der Predigttext.

 

Wir stehen am Beginn des neuen Jahres. Und wir wissen alle, dass das neue Jahr im Grunde weiter geht wie das alte Jahr. Nichts hat sich geändert. Die alten Probleme melden sich wieder. Ich selbst bin der alte – der ich im letzten Jahr gewesen bin. Die Menschen um mich herum, die Familie, die Arbeitskollegen, die Freunde – alle sind die alten geblieben. Das muss nicht schlecht sein, denn dann ist auf sie in gewisser Weise Verlass.

 

Dass aber das Alte einen neuen Akzent bekommt, besser wird, das wäre nicht schlecht. Ich weiß sehr gut, wo es in meinem Leben hakt, wo es sich reibt und wo ich stöhne und ächze. Ich weiß sehr genau, wo es in meinem Leben anders werden muss, damit ich es im Zusammenleben mit anderen und mir selbst gut leben kann, so leben kann, dass es mich nicht klein kriegt, mich nicht unter kriegt, mich nicht besiegt.

 

Und so denken wir zu Beginn des neuen Jahres daran, ob es nicht doch etwas gibt, das zwar nicht mein Leben von Grund auf umkrempelt, aber es doch in einem anderen Licht erscheinen lassen kann. Wir hoffen, dass uns so etwas geschieht wie dem Johannes. Er lebte sein Leben als Fischer, er lebte in seinem Dorf, er lebte mit seiner Familie, hatte seinen Beruf. Man macht sich über dies und jenes so seine Gedanken, alles läuft planbar.

 

Doch dann – dann gibt es die Begegnung mit dem Menschen Jesus von Nazareth. Johannes ist immer noch Johannes, er ist immer noch Fischer, hat seine Familie, sein Dorf – aber es wird alles aus einem ganz anderen Licht gesehen: dem Licht Gottes. Der Alltag bleibt – aber er lebt nun in vollkommener Freude – und daran will er uns teilhaben lassen: An der vollkommenen Freude, die er in der Begegnung mit Jesus Christus erlebte.

 

 

 

Was ist passiert? Dieser Jesus hat auf einmal die Welt des Johannes in ein neues Licht getaucht, angestrahlt wurde alles vom Licht Gottes.

 

Im letzten Sommer bin ich einmal nachts durch unseren Garten gegangen. Es war, wie es nachts eben ist: alles dunkel, grau, nur weiße Blüten des Jasmin-Strauches hoben sich ein wenig von den grauen Blumen, Blättern, der Erde ab. Und wenn man dann mit einer Taschenlampe eine schwarzgraue Rose anleuchtet – dann strahlt sie in einer wunderbaren Farbe hervor. Unser Leben ist nicht grauschwarz – aber es ist einerlei: Morgens aufstehen, sich über das Essen und berufliche Fragen Gedanken machen, Zeitung lesen, sich aufmachen zum Arbeitsplatz, nach Hause kommen, Abendessen, Fernsehen, sich schlafen legen. Es ist gut, wenn alles so geregelt abläuft. Störungen sind meist unangenehm.

 

Schön ist es jedoch, wenn eine Glücksperle in unserem Alltag aufleuchtet, ein Moment, in dem wir uns glücklich fühlen. Ein äußerst netter Mensch begegnet uns, wir sehen etwas Wunderschönes, eine Blume, Sonnenaufgang, Sterne, einen schönen Menschen, ein Lächeln, wir erleben etwas, das uns beglückt: Musik, ein Fernsehfilm… Glücksperlen durchziehen unser alltägliches Leben – und wir könnten sie an einer Kette aufziehen – wenn wir diese Glücksmomente doch nicht wieder so schnell vergessen würden.

 

Doch was ist mit Johannes passiert? Dieser Jesus hat auf einmal die Welt des Johannes in ein neues Licht getaucht, angestrahlt wurde alles mit dem Licht Gottes. Es war eine Begegnung des Glücks, eine Begegnung andauernden Glücks. Dass sie andauernd war, das erkennt man daran, dass Johannes von „vollkommener Freude“ spricht. Jesus Christus hatte die Kraft, das gesamte Leben in ein neues Licht zu tauchen. Das graue Einerlei des Alltags mit seinen vergessenen Glücksperlen wurde auf einmal hell, bunt, wunderschön, vollkommen, voller Freude. Wie das? Wie kann Johannes das sagen? Wie alle Boten der frohen Botschaft der Liebe Gottes hatte er Schmerzen zu ertragen, Verfolgungen, Strafen, Leben in Gefängnissen. Unrecht musste der ertragen, der für Recht eintrat, Lieblosigkeit musste der Ertragen, der Liebe lebte und verkündete. Erniedrigung musste der erleiden, der dafür eintrat, dass Menschen von Gott erhöht würden. Wie kann er von vollkommener Freude reden? Sein Leben ist neu geworden. Es hat im Licht Gottes eine ganz neue Farbe bekommen… Wie? Durch die Begegnung mit Jesus Christus.

 

Und das ist die Frohe Botschaft bis heute, die auch unsere Freude vollkommen machen kann: Wir können den auferstandenen Jesus Christus begegnen, unser Leben in seinem Licht sehen, mit seinen Augen.

 

Wie können wir das?

 

 

 

Wir Christen haben einen sehr reichen Schatz an Möglichkeiten entwickelt – wir müssen nicht erst nach Indien fahren und den Hindus und Buddhisten zuschauen, wie sie meditieren. Wir haben einen sehr reichen Schatz an Möglichkeiten erarbeitet, in denen wir Gott begegnen können, damit er unser Leben reich machen kann. Gott ist doch schon längst da. Wir müssen nur sein Licht sehen lernen, unser Herz, unsere Sinne, unseren Verstand ihm öffnen, damit er mit seinem Licht auch uns neu machen kann. Manche Menschen entdecken ständig Cent-Stücke auf dem Boden liegen – manche nie. Warum? Weil der Blick nicht geschult ist.

 

Wie können wir unseren Blick für Gottes Schätze schulen?

 

 

 

Die alten Bauernhöfe in Bayern kennen einen Herrgottswinkel. Die Bauersleute richten sich einen wichtigen Platz in der Wohnung ein, an dem sie auf ein Kreuz blicken, eine Kerze steht an diesem schönen Platz, die tröstende Bibel liegt dort, das aufbauende Gesangbuch, ein Bild, das ihnen wichtig ist, wird hingestellt und ein duftendes Kräutersträußchen wird aufgehängt. Wir können uns auch einen solchen kostbaren Ort in der Wohnung einrichten: An diesem Ort beten wir, danken wir, klagen wir, lesen wir in der Bibel, singen mit Stimme oder mit dem Herzen. Wir lassen uns ganz bewusst an jedem Tag zu einer bestimmten Zeit von Gottes Licht durchdringen. Wir schaffen uns einen Ort, an dem wir von uns aus Gott öffnen, damit wir ihm begegnen können.

 

Und an diesem Ort der Gottesbegegnung können wir uns einen kleinen Schatzkasten anlegen, in dem wir die Schätze Gottes bergen – für Notzeiten. Fünf Schätze möchte ich nennen:

 

 

 

Der erste Schatz besteht aus Liedern, Gesangbuchliedern zum Beispiel. Lieder, die für uns wichtig geworden sind, die so gute Strophen enthalten, dass ich sie sogar auswendig lerne, damit ich sie im Alltag vor mich hinsingen kann. Welche Lieblingslieder haben Sie?

 

 

 

Der zweite Schatz besteht aus Gebeten, die mir hilfreich geworden sind. Auch hier bietet das Gesangbuch viele Anregungen: Psalmen, gute Gebete aus unserer christlichen Tradition. Manche lieben auch das Herz-Jesu-Gebet, das ist ein Gebet, das man im Rhythmus seines Herzschlages immer wieder spricht: Herr Jesus Christus, steht mir bei. Oder einfach nur: Jesus Christus, Jesus, Jesus Christus. Welches Lieblingsgebet haben Sie?

 

 

 

Der dritte Schatz besteht aus Lieblingstexten aus den Evangelien. Wir lesen die Evangelien, wir lesen sie so, dass wir uns vorstellen, wir gehen mit den Jüngern hinter Jesus her, hören ihn reden, schauen dabei zu, wie er mit den Menschen umgeht. Wir begleiten wie die Mutter Jesu ihren Sohn von der Geburt an bis zu seinem Tod und zu seiner Auferstehung. Die Evangelien so lesen lernen, als wären wir Wegbegleiter unseres Herrn. Aber: Jesus begleiten, hinter ihm herzugehen, das ist nicht immer einfach. Wir werden vor Fragen gestellt, die uns selbst in Frage stellen: Bist du bereit, mit Jesus durch Dick und Dünn zu gehen? Bist Du bereit, andere Wege zu gehen, als die, die Du Dir so vorgenommen hast? Du wirst Zweifel bekommen: Ist er wirklich der Sohn Gottes in Herrlichkeit? Du wirst müde und resigniert werden: Schaffe ich das? Ist er es Wert, sich abzumühen? Will ich überhaupt lernen, mich und die anderen aus Gottes Perspektive zu sehen? Will ich vergeben, will ich gesagt bekommen, dass ich in meinem Leben versage, dass ich ein Sünder bin? Will ich es akzeptieren, dass Jesus Christus mich durch sein Sterben und Tod rein gemacht hat, dass ich auf ihn angewiesen bin – bis ins Geht nicht mehr? Jesus zu folgen, ihm über die Schultern zu blicken – das ist kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit – harte Arbeit an uns selbst, um den Schatz Gottes, jesus Christus, genießen zu können. Es ist wie mit einer Ehe, in der ich immer wieder in meinem Leben sagen muss: Ja, ich will.

 

Welche Lieblingstexte aus dem Neuen Testament haben Sie?

 

 

 

Der vierte Schatz: Die eigenen Gedanken aufschreiben, die wir in der Gottesbegegnung haben. Gedanken, von denen man dann zehren kann, wenn man Gott nicht spürt, wenn man denkt, man sei ganz allein, so, wenn man in Not lebt, wenn Krankheiten uns packen. Denn dann kann Gott uns durch unsere eigenen Gedanken, die er uns geschenkt hat, aufrichten, stärken, wieder Licht im Dunkel sehen lassen.

 

 

 

Der fünfte Schatz: Texte aus christlichen Büchern. Viele Christen haben aufgeschrieben, was sie erlebt haben, wie sie in ihren guten und schweren Zeiten Gott erfahren haben, wie sie Durststrecken überwunden haben. Wenn wir keine Bücher kennen – beginnen wir mit der Apostelgeschichte des Lukas, gehen weiter über die Briefe des Apostels Paulus. Und in der Zwischenzeit, bis wir diese Schriften fertig gelesen haben, erkundigen wir uns über Bücher dieser Christen der Gegenwart.

 

 

 

Wenn wir uns die Schatztruhe der Begegnung mit unserem Jesus Christus anlegen, lernen wir vieles in unserem Leben mit anderen Augen zu sehen – weil wir lernen, mit den Augen Jesu Christi zu sehen. Wir lernen, Sorgen und Ängste in Gottes Hand zu legen – und werden ruhiger, denn er wird unsren Schritt lenken, unsere Gedanken leiten. Sinnloses Herumirren wird uns immer fremder, denn er wird uns den Weg weisen. Wenn wir uns mit einem anderen Menschen schwertun, dann lernen wir, auch diesen Menschen mit Gottes Augen zu sehen: Er ist ein Medikament. Gott verabreicht ihn mir, damit ich meinen Lebensweg mit Gott gehen lerne. Krankheiten und Sterben, auch der Tod haben ihren Schrecken verloren, weil wir uns immer wieder in Gottes Hand bergen können – über das irdische Leben hinaus.

 

 

 

 

 

Die Schatzkiste unseres Lebens füllen – das geht nicht von jetzt auf gleich, sondern wir stopfen ja nicht alles in die Truhe, sondern wählen aus. Wir betrachten alles von allen Seiten: Ist es das Wert, in meine Schatztruhe gelegt zu werden? Und das Kostbare auszuwählen, das kostet Zeit. Aber auf dem Weg dahin erfahren wir Begegnungen mit Jesus Christus – und wie der Apostel Johannes schreibt: vollkommene Freude.

 

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Blatt zum Verteilen:

 

 

 

Der erste Schatz: Meine Lieblingslieder: …

 

 

 

Der zweite Schatz besteht aus Gebeten, die mir hilfreich geworden sind. Auch hier bietet das Gesangbuch viele Anregungen: Psalmen, gute Gebete aus unserer christlichen Tradition. Manche lieben das Herz-Jesu-Gebet, das ist ein Gebet, das man im Rhythmus seines Herzschlages immer wieder spricht: Herr Jesus Christus, steht mir bei. Oder: Jesus Christus, Jesus, Jesus Christus.

 

Meine Lieblingsgebete: …

 

 

 

Der dritte Schatz besteht aus Lieblingstexten aus den Evangelien. Wir lesen die Evangelien, wir lesen sie so, dass wir uns vorstellen, wir gehen mit den Jüngern hinter Jesus her, hören ihn reden, schauen dabei zu, wie er mit den Menschen umgeht. Die Evangelien so lesen lernen, als wären wir Wegbegleiter unseres Herrn Jesus Christus. Meine Lieblingstexte aus dem Neuen Testament: …

 

 

 

Der vierte Schatz: Die eigenen Gedanken aufschreiben, die wir in der Gottesbegegnung haben. Gedanken, von denen man dann zehren kann, wenn man Gott nicht spürt, wenn man denkt, man sei ganz allein, so, wenn man in Not lebt, wenn Krankheiten uns packen. Denn dann kann Gott uns durch unsere eigenen Gedanken, die er uns geschenkt hat,  aufrichten, stärken, wieder Licht im Dunkel sehen lassen.

 

 

 

 

 

Der fünfte Schatz: Texte aus christlichen Büchern. Viele Christen haben aufgeschrieben, was sie erlebt haben, wie sie in ihren guten und schweren Zeiten Gott erfahren haben, wie sie Durststrecken überwunden haben. Wenn wir keine Bücher kennen – beginnen wir mit der Apostelgeschichte des Lukas, gehen weiter über die Briefe des Apostels Paulus. Und in der Zwischenzeit, bis wir diese Schriften fertig gelesen haben, erkundigen wir uns über Bücher dieser Christen der Gegenwart.