Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im 1. Thessalonicher Brief im 5. Kapitel. In der Predigt werde ich ihn mit Blick auf das Thema des Tages, die Verfolgung von Christen, auslegen:

 

 

 

Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

 

 

 

Soweit der Predigttext.

 

Angesichts der Not, in der Menschen leben, das Leiden… können wir bitten: Jesus, komme bald – damit die Not ein Ende habe. Wir blicken voller Sehnsucht auf das Weltende und auf die gute Welt Gottes, in der Recht und Gerechtigkeit, Liebe, Dankbarkeit und Freude herrschen. Viele Katastrophen gab es bislang in diesem Jahr, die von Menschen gemacht wurden – denken wir an die Islamisten in Syrien und im Irak oder an die Situation in der Ukraine oder an die Massenmorde der Drogenkartelle und anderer krimineller Vereinigungen in Mexiko – oder die nicht von Menschen gemachten Katastrophen, wie Ebola in Westafrika. Angesichts dieser Katastrophen kommen so manche Menschen auf den Gedanken, dass wir in der Endzeit leben, dass das die Geburtswehen unserer Welt sind, wie sie der Text beschreibt. Aber Gott wird sein Reich überraschend aufbauen – und so der Text – bis es soweit ist, sollen wir das Unsere tun:

 

 

 

Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. 7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. 8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil.

 

 

 

Kinder des Lichts – Menschen, die Jesus nachfolgen, die ihn lieben und achten, die legen ihre Hände nicht in den Schoß, sie schlafen nicht, sie lassen sich auch nicht benebeln, sie lassen sich nicht durch schlimme Botschaften lähmen, sondern sie sind aktiv. Sie haben den Panzer des Glaubens und der Liebe und den Helm der Hoffnung an.

 

 

 

Unser Text spricht davon, dass Christen nicht trunken, betrunken sind. Natürlich geht es dem Apostel nicht um reale Trunkenheit durch Alkohol – das sind Christen sowieso nicht – es geht um politische Trunkenheit. Es geht darum, dass man sich nicht von herrschenden Meinungen trunken machen lässt, dass man so sehr der Propaganda in sich Raum lässt, dass man nicht mehr klar denken und handeln kann. Es geht nicht nur um reale Nüchternheit in dem Sinne, dass man nicht betrunken ist, es geht darum, dass man nüchtern die politische Lage analysiert, sie wahrnimmt, dass man sich nicht durch Hysterie und Angst einschüchtern lässt, sich nicht verdummen lässt durch – wir möchten heute sagen: Medien, Politik, Macht- und Interessengruppen, Lobby-Arbeit – sondern wach und nüchtern alles beobachtet, seine eigenen Schlussfolgerungen zieht und gegen die Missstände angeht. Christen waren – wie wir an Jesus sehen können, von Anfang an durch Verfolgungen gefährdet. Kaum einer der Jünger Jesu - einschließlich Paulus, sind eines natürlichen Todes gestorben. Christen müssen allein schon aus diesen Gründen immer ganz sorgfältig ihre Zeit und ihre Zeitgenossen beobachten, um eben solche Gefahren möglichst frühzeitig zu erkennen und um sie zu vermeiden helfen. Das alles aber angetan mit dem Panzer der Liebe und des Glaubens und dem Helm der Hoffnung.

 

Was für ein Bild. Wie kann man nur Liebe und Glauben mit einem Panzer zu vergleichen? Auch wenn Panzer hier die Schutzkleidung meint, so ist das doch angesichts der zarten Liebe und des weich gewebten Glaubens ein gewagtes Bild.

 

 

 

Gewagt aber passend. Ich vergleiche das immer mit einer kleinen Blume, sagen wir einem Veilchen. Man tritt im Gehen darauf – und es ist zertreten – richtet sich aber nach einer kurzen Zeit wieder auf. Es wird gepflückt – und es duftet, erfreut das Herz. Es wird gepflückt, eines stirbt, vielleicht auch gar ein Sträußchen – aber die Veilchen als Ganze überleben. Auch sie haben sozusagen einen Panzer, der sie schützt: es ist die Ausdauer, die Vielfalt an Fortpflanzungsmöglichkeiten, die Stabilität – sie sind stark, obgleich sie so verletzlich scheinen.

 

Und das ist auch Kennzeichen der Christen wie es der Apostel sieht: Sie kämpfen nicht mit Schwert und Helm und Schild und Panzer im eigentlichen Sinne, sondern sie sind angetan mit Liebe, mit Glaube, mit Hoffnung – und diese sind ihre Waffen. Und diese ihre Waffen sind wie die des Veilchens: stabil, flexibel, ausdauernd.

 

 

 

Wissen Sie, wie Veilchen sich ausbreiten? Mit Hilfe der Ameisen und Schnecken. Die Veilchensamen haben eine Substanz, die man noch nicht erforscht hat, die Ameisen und Schnecken ganz gierig machen. Die Ameisen nehmen sie in den Bau und dort können die Samen dann keimen und wachsen.

 

Und das ist auch für die Ausbreitung des christlichen Glaubens sehr interessant. Viele Menschen tragen unfreiwillig den christlichen Samen weiter – sie meinen, es zu vernichten – aber gerade dadurch helfen sie, ihn auszubreiten. Wir verstehen das noch nicht, warum dem so ist. Aber schon die frühen Christen standen vor der erstaunlichen Tatsache: Je mehr die Christen durch den Staat verfolgt wurden, desto mehr Menschen wurden Christen. Dazu hat man einen Satz formuliert, der sprichwörtlich geworden ist: Das Blut der Märtyrer ist der Same des Christentums. Menschen meinen, die gewaltlosen Christen ausmerzen zu müssen – und gerade dadurch werden immer mehr Menschen Christen. Das beobachten wir zurzeit besonders in China. Dort werden christliche Gruppen verfolgt – aber dort gibt es inzwischen mehr Christen, als in Deutschland, und es gehen sonntäglich mehr Christen in die Gottesdienste als in ganz Europa zusammen. Wir hörten das in den Videoclips auch aus dem Iran und aus Ägypten. Wie es in Nordkorea oder Eritrea aussieht, können wir leider nicht sagen, weil das Land abgeschottet ist wie kein anderes in unserer Zeit. Aber immer wieder können Christen fliehen und berichten darüber, dass es immer noch Christen gibt, trotz der massiven Verfolgungen.

 

 

 

Christen sind wie Veilchen. Aber dennoch sind sie vorsichtig, beobachten ihre Zeit, lassen sich nicht durch Medien und politische Mächte betrunken machen. Und wenn sie sich betrunken machen lassen, dann leben sie äußerst gefährdet. Wenn sie mit machen, was andere für richtig halten, obgleich sie selbst das als falsch ansehen, dann verraten sie ihren Glauben. Wenn sie sich durch Ideologien, seien sie nationalsozialistisch oder kommunistisch, betören lassen, oder auch durch Unmenschlichkeit eines Raubtier-Kapitalismus, dann verraten sie Jesus Christus, der sie liebt. Denn, so heißt es im Predigttext:

 

 

 

Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen.

 

 

 

Christen sind, so hören wir Paulus, Kinder des Lichts. Sie leben nicht im Verborgenen, sie leben offen, transparent. Sie lassen sich nicht einschüchtern und verschweigen dadurch die Wahrheit. Christen leben, so Paulus, mit Jesus Christus. Und das sollte auch uns in unserem Land, in dem wir so viel Freiheit genießen, nicht schwer fallen. Wir kennen die kleinen Sticheleien gegen den christlichen Glauben. Aber die sind normal und sollten niemanden einschüchtern, sodass er feige wird und nicht mutig zu dem steht, an den er glaubt: Jesus Christus. Christen blühen wie die Veilchen und Duften so sehr, dass man auf sie aufmerksam werden muss. Ihre Schönheit und ihr Duft sind: Liebe, Glaube, Hoffnung – und das weltweit.

 

Möge es auch in Ihrem Umfeld so sein.