Sacharja 4,6:

 

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr.

 

 Was für eine Macht hat das Unscheinbare: Die Gräser. Wenig in ihrer Schönheit beachtet. Man geht gegen sie vor, mit allen Mitteln, entwurzelt sie, köpft sie, isst sie – selbst mit chemischen Keulen – doch sie verbreiten sich, verbreiten sich, verbreiten sich. Unaufhaltsam. Zwischen Steinen, in Regenrinnen, auf Mauern, im Sand. Wenig beachtet – doch viele von ihnen blühen ganz zart, zart duftend, wunderschön. Für den, der sehen gelernt hat.

 

 Das ist der Weg des Geistes Gottes. Die unscheinbare Liebe hat er in die Welt gesetzt. Geschunden, getreten, verfolgt, verachtet, erniedrigt – aber sie setzt sich durch und wird sich durchsetzen. Denn:

 

 Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr.

 

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Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98

 

Ich vermute einmal, dass Gott mehr Klagen und Bitten zu hören bekommt, als Dank und fröhliche Lieder. Nun mag so mancher denken: Nun ja, wir bekommen ja von Gott auch keine Wunder zu sehen. Dazu eine kleine Geschichte: Zwei Arbeitskollegen gingen unabhängig voneinander denselben Weg zur Arbeit. Als sie sich in der Pause trafen, erzählte der eine ganz begeistert von den gutgelaunten Menschen, die ihn auf dem Weg begrüßt hätten, erzählt von den bunten Blumen, den Vogelstimmen, den grünen Bäumen, er erzählt von dem Marienkäfer, der auf seinem Arm gelandet ist… Und der andere sagte missmutig: Ich habe nichts gesehen, alles war so grau in grau. Menschen gafften wie immer blöd herum, überall war Hundedreck und hingeworfenes Papier. Und fragte: Welchen Weg bist du denn heute gegangen? Da antwortete der andere, den wir immer gehen.

 

Gott tut keine Wunder? Vielleicht nicht so spektakulär. Man muss es lernen, Wunder Gottes zu sehen, man muss sie sehen wollen, man muss Gott gegenüber offen sein. Gott wirkt nicht unbedingt, was wir wollen – aber sehen zu können, was er an uns wirkt, das ist schon ein Wunder. Darum: Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

 

 

 

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder (8,14)

 

 Der Geist Gottes treibt an. Er ist keine Schlafpille, er beruhigt und besänftigt nicht – er setzt Gottes Kinder auf den Lebensweg. Er führt Gottes Kinder ganz eigenartige Wege, manchmal. Und was für Wege er manchmal führt, welche Haltung und Handlung er fordert, das ist für Außenstehende und die Kinder Gottes selbst oft nur schwer zu verstehen. Der Geist Gottes ist es, der von Gottes Kindern Wege gehen lässt, die die Welt vorher noch nie gesehen hat. Er lässt sie solche eigenartigen Wege gehen, weil Gott selbst sie vorangegangen ist: Gott selbst wurde im Kind Jesus kleines Menschlein – und Gottes Kinder sollen sich nicht ihrer Stärke und Macht rühmen; Gott lässt sich in Jesus Christus von Menschen erniedrigen, erniedrigen bis hin zum Tod am Kreuz – und Gottes Kinder sollen nicht dabei sein, wenn andere erniedrigt werden. Im Gegenteil, sie sollen sich nicht scheuen, sich selbst erniedrigen zu lassen. Gott selbst liebt in Jesus Menschen, die Menschen nicht als liebenswert ansehen – und wir können mit Gottes Geist Menschen lieben.

 

 

 

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. 1Johannes 3,8b

 

 Wir wundern uns heute über diese Sprache, wenn wir hören: Werke des Teufels. Doch was sind die Werke des Teufels? Das Wort Teufel kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Durcheinanderwerfer, Verwirrer, Verleumder. Der Schreiber unseres Johannesbriefes verbindet mit dem Teufel ein gottloses Leben. Es ist ein Leben, das das Verhältnis des Menschen zu Gott und der Menschen untereinander durcheinander bringt, Menschen verwirrt, sie auf dem Weg des Bösen setzt. Wir Christen kennen die so genannten sieben Todsünden, die Ausdruck für das gottlose Leben sind: Stolz, Neid, Zorn, Faulheit, Habgier, Völlerei (also: unmäßig essen), Unkeuschheit (also: seine Sexualität nicht unter Kontrolle zu haben). Wer dem Sohn Gottes, von ganzem Herzen und mit seinem Verstand folgt, der versucht, sich von diesen Todsünden fernzuhalten. Warum? Weil sie Zwietracht unter die Menschen säen, Streit, Auseinandersetzungen, Hass. Sie verhindern ein gutes Zusammenleben der Menschen, sie zerstören die Gemeinschaft, sie zerstören unsere Gesellschaft. Und wer dem Sohn Gottes folgt, ist dazu aufgefordert, sich so zu verhalten wie Jesus - in Liebe dem anderen zugewendet. Und das bedeutet gleichzeitig Absage von den sieben Todsünden: von Stolz, Neid, Zorn, Faulheit, Habgier, Völlerei, Unkeuschheit.