1.

 

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

 

Wir sahen Jesu Herrlichkeit. Die Jünger sahen in Jesus Gottes Herrlichkeit. In diesem Menschen. Das ist das Spannende an unserem christlichen Glauben: Es ist uns ermöglicht, Gott da zu finden, wo ihn andere Religionen nicht erkennen können. Gott der Schöpfer aller Welt ist im Menschen anwesend. Gott der Herrscher ist im leidenden Menschen anwesend, in dem, der verfolgt wird, gefangen ist, Hunger und Durst hat, er ist erkennbar im vernachlässigten Kind, in dem grauenvollen Tod – und sogar im grausamen Kreuzestod Jesu. Er ist erkennbar in den Trauernden, denen, die unterdrückt sind und sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen. Gott ist da, wo wir ihn nicht vermuten. Wir suchen ihn im Hellen, Schönen, Fröhlichen, Machtvollen. Nein, Jesus lehrt uns in der Herrlichkeit Gottes: Gott lässt sich finden, wo wir ihn nicht suchen. Indem er sich in den tiefsten Tiefen menschlichen Erlebens finden lässt, erkennen wir seine strahlende Herrlichkeit – auch durch Tränen hindurch. Wir fliehen alle das Dunkle – aber er sucht es auf, um uns dort zu finden, wo wir sind. Warum? Um uns zum Hellen, Schönen, Fröhlichen, machtvollen zu führen.

 

2.

 

 Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukasevangelium 9,62)

 

Das ist ein hartes Wort Jesu. Wir sollen nicht zurück schauen, zurück in die Vergangenheit, wir sollen nicht stehen bleiben und einfach nur: stehen. Wir sollen nach vorne schauen, nach vorne gehen – und indem wir nach vorne gehen und dabei nach vorne schauen, können wir gut pflügen, können wir das Feld Gottes gut bereiten.

 

Was meint Jesus damit? Das kommende Reich Gottes, die gute Herrschaft Gottes, in der es kein Leiden mehr gibt, in dem Gerechtigkeit herrscht, in der Liebe die Menschen regiert – diese liegt in der Zukunft. Wir sollen auf sie schauen – und während wir auf Gottes kommende gute Herrschaft schauen, gehen wir unseren Lebensweg nach vorne. Die gute Zukunft Gottes soll schon jetzt unser Leben prägen: Das Leiden, das Gott aufheben wird, das sollen wir schon jetzt bekämpfen. Die Gerechtigkeit, die Gott bringen wird, sollen wir schon jetzt umsetzen in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft – überall da, wo wir unseren Alltag leben. Die Liebe Gottes, die uns Menschen einmal vollständig regieren wird, soll jetzt schon in unseren Herzen Raum finden, damit wir in unserer Familie, in der Gemeinde, in unseren Vereinen liebend handeln.

 

Nach vorne sehen – auf die Zukunft Gottes sehen – das führt dazu, die Gegenwart im Sinne Gottes zu gestalten.

 

3.

 

 Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10)

 

 Christen sind Schafe – das Bild hat schon immer Spott hervorgerufen, dumm wie die Schafe trotteln sie durchs Leben. Wenn in der Bibel von Christen als Schafen gesprochen wird, dann immer in Beziehung zu Jesus. Sie folgen vertrauensvoll Jesus Christus, ihrem Herrn, dem großen Hirten der Seelen. Und das ist natürlich für Nichtchristen ärgerlich: Folgen Christen Jesus, folgen sie nicht den Nichtchristen und ihren Weltanschauungen. Und von daher sind die Christen für die Gegner einfach dumm wie die Schafe – obwohl sie klug sind und nicht allen menschlichem Gedöns nachfolgen, das gerade modern ist.

 

Und was ist das für ein Hirte, dem die Christen folgen? Er gibt sein Leben für sie aus Liebe hin. Er liebt sie so sehr, dass er sich nicht zu schade ist, für sie zu sterben. Und weil der Hirte diesen Liebes-Weg vorangegangen ist, folgen auch wir ihm, wenn wir sterben, in das ewige Leben.

 

 4.

 

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.(Jesaja 43)

 

 Fürchte dich nicht, wird uns zugesagt. Doch wie passt das zusammen, dass Gott Menschen nicht immer beschützt? Die Aussage mag für viele befremdlich sein. Warum denn Glauben, wenn Gott nicht so eine Art Lebensversicherung für ein angenehmes Leben ist? Denken wir an die Propheten, vor allem an den Propheten Jeremia, denken wir an Jesus Christus – wer zu Gott gehört wird häufig mitten in das Getümmel der Welt geschickt, in die Bosheit und Gottesferne, uns Leiden. Warum? Die Menschen, die zu Gott gehören, sind wie Kerzen – und ihr Ziel ist es, dazu beizutragen, dass es in der Welt möglichst hell wird. Indem wir anderen Gottes Licht weitergeben, indem wir die Finsternis mit unserem Leben, den Taten und Worten erhellen.

 

Das bedeutet die Aussage, fürchte dich nicht, du bist mein: Wer weiß, dass er zu Gott gehört, darf sich in all dem Getümmel, dem Ärger, den Sorgen, den Angriffen, dem Leiden von Gottes Kraft und Nähe beglückt, aufgerichtet und ermutigt fühlen. Manchmal spürt man Gott nicht, man denkt, er sei ferne, man sei ganz allein. Doch es gilt die Zusage:

 

 So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

 

5.

 

 Gott widersteht den Hochmütigen, aber den demütigen gibt er Gnade. (1 Petrus 5,5)

 

Die alten Stoiker – eine alte philosophische Richtung – sagen: Kämpfe nicht gegen das Schicksal, es kommt ja doch wie es kommt und du hast nur viel Kraft damit vergeudet, gegen das Schicksal anzukämpfen. Es ist hochmütig, sich gegen das Schicksal wenden zu wollen – sich demütig anpassen, das ist weise, ist klug, ist das einzig Sinnvolle. Das klingt unserem Wochenspruch Gott widersteht den Hochmütigen, aber den demütigen gibt er Gnade. ganz ähnlich – und ist doch himmelweit davon entfernt. Ein Wort bildet den Unterschied: Gott. Demütig sein heißt nicht, zu allem Ja und Amen zu sagen, heißt nicht, sich dem Schicksal einfach so einzuordnen. Demütig sein bedeutet, sich auf Gottes Liebe einzulassen, sich bei ihm geborgen zu fühlen und zu wissen, es bedeutet, sich von Gott aussenden zu lassen, um dem Schlimmen in der Welt zu begegnen, und seien unsere Taten gemessen an dem Schlimmem noch so klein. Demütig sein heißt, um seine kleine Kraft zu wissen, aber sie dennoch Gott zur Verfügung zu stellen, damit die Welt ein wenig besser wird.