Jesajabuch 60,2:

 

Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jesaja 60)

 

Nach dunkler Nacht geht die Sonne auf - und sie scheint hell. Der Mensch kann die Schönheit der Welt erkennen und er beginnt seine Arbeit.

 

Wenn Gott über uns aufgegangen ist, dann werden wir hell, und wir handeln zum Wohl der Menschen. Damit das Licht Gottes, das uns erhellt, auch andere Menschen stärkt, erfreut, in Liebe handeln lässt.

 

Im Licht seines Lichtes wachsen, wärmen, Helligkeit ausstrahlen, das ist ein, das ist das Lebensziel.

 

  *

 

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

 

 Jesus Christus ging durch den Staub des damaligen Israel. Er hatte Hunger und Durst, er aß und trank, er hatte Gemeinschaft wie alle Menschen Gemeinschaft mit anderen haben, er kleidete sich wie alle in der damaligen Zeit, hatte einen Beruf – und doch war er anders, irgendwie anders. Und zwar so anders, dass der Evangelist bezeugt:

 

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

 

In diesem Jesus aus Nazareth ist uns Gott begegnet. Jesus Christus ging durch den Staub des damaligen Israel. Er hatte Hunger und Durst, er aß und trank, er hatte Gemeinschaft wie alle Menschen Gemeinschaft mit anderen haben, er kleidete sich wie alle in der damaligen Zeit, hatte einen Beruf – und doch war er anders, in ihm hörte man Gott sprechen, in ihm sah man Gott auf die Menschen zugehen. Sie heilen, trösten, stärken, ermutigen. Er gab Hoffnung – und war gleichzeitig die Erfüllung der Hoffnung. Ja, in diesem Menschen, der war wie wir – und doch ganz anders war, ist uns Gott begegnet, er ist der Sohn Gottes. Als Mensch strahlte er eine Hoheit und Würde aus, ein Licht und Herrlichkeit, dass Menschen innehielten, die Luft anhielten und – staunten.

 

Aber nicht alle. Nicht alle erkannten diese Besonderheit, diese Göttlichkeit, dieses ganz andere. Manche Menschen sahen allein den Menschen – anderen wurde es gegeben, Gott in ihm zu erfahren, zu spüren. Manche sahen allein den Staub an seinen Füßen, seinen Hunger, seinen Durst – andere sahen in ihm den von Gott gesandten, den, in dem Gott ganz, ganz nahe kam.

 

Was war das für ein Mensch – dieser Sohn Gottes!

 

 

 

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

 

*

 

 

 

Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, dass er die Werke des Teufels zerstöre 1. Joh 3,8:

 

 

 

Was sind die Werke des Teufels? Der Teufel, der Satan – auch Diabolos oder Beelzebub genannt, bedeutet im Grunde immer dasselbe: Er ist der Verwirrer. Er ist der, der Menschen für das Böse öffnet, sie bereit macht, das zu tun, was der Gemeinschaft mit Gott und Menschen schadet. Er ist insofern der Verwirrer, weil manche Menschen meinen, sie tun Gutes – und dabei dem Bösen dienen, sie meinen, sie tun Gottes Willen, aber dann doch das tun, was Gott nicht will. Sie fördern die Kultur des Todes, also alles, was Menschen zerstört, was das Zusammenleben verhindert. Und so kennen wir zum Beispiel die Todsünden – alle Formen der Lieblosigkeit –: Geiz, Neid, Hochmut, Zorn, Eifersucht, Wollust, Völlerei, Maßlosigkeit, Trägheit. Und Jesus ist erschienen, damit Menschen aus der engen Verbindung zu ihm erkennen: Was die Werke des Verwirrers sind und sich ihm nicht zur Verfügung stellen. Dass sie für die Kultur des Lebens eintreten, dass sie das, was unter den Todsünden genannt wurde, in sich mit Gottes Kraft bekämpfen.

 

*

 

 

 

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

 

 

Muss man für das Reich Gottes geschickt sein? Muss man eine gewisse Fingerfertigkeit entwickeln, um sich für Gottes gute Welt einzusetzen? Jesus würde antworten: Ja, natürlich! Du gibst dir im Leben um alles Mögliche Mühe, um Herausforderungen des Alltags gut begegnen zu können. Du gibst dir Mühe, um in der Schule und im Beruf gut zu werden, dass du gut kochen und backen kannst, dass du gut aussiehst, PC-Spiele spielen kannst, im Sport klasse bist… Aber gibst du dir auch Mühe, um Gottes gute Welt durchzusetzen? Auch dazu muss man geschickt sein, dafür muss man üben, dafür muss man sich Mühe geben. Gottes gute Welt fällt uns Menschen bevor er kommt nicht in den Schoß.

 

*

 

 

 

Karfreitag – wir denken am Karfreitag an das Leiden Jesu Christi. Wir denken daran, dass er gefoltert wurde, dass er zu Unrecht verurteilt und hingerichtet wurde. Er starb. Wie viele andere Menschen auch – vor ihm, mit ihm und nach ihm. Und an diese entwürdigten Menschen, die in vielen Ländern der Erde gefoltert werden, zu Unrecht verurteilt und getötet werden – an die denken wir auch an Karfreitag, an all die entwürdigten Menschen weltweit. So denken wir heute insbesondere an die über 140 durch Islamisten ermordeten christlichen Studenten und deren Angehörige in Kenia. Ebenso denken wir an die Menschen, die bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind und an deren Angehörige. Wir sehen im leidenden Jesus Christus auch die Menschen, die sich durch Krankheit und Spott, durch Verbrechen und mangelnder Selbstachtung erniedrigt und entwürdigt fühlen. Jesus wurde wie sie erniedrigt, er wurde jedoch, und das bekennen Christen seit ca. 2000 Jahren, er wurde erniedrigt wegen uns. Er nahm diese Entwürdigungen auf sich, um uns die Würde zurückzugeben. Das Geheimnis, das Mysterium seines Todes, in dem er unser Leiden und Sterben durchlitten hat, können wir in seiner Tiefe gar nicht erfassen, wir können es nur staunend und anbetend betrachten, und so sind auch die Lieder, die wir heute singen, staunende, erschrockene aber auch dankbare Betrachtungen dieses Sterbens Jesu. Denn – so heißt es im Tagesspruch aus dem Johannesevangelium - für den heutigen Tag

 

 

 

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

 

*

 

 

 

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

 

 

 

Was für ein Wort! Menschen haben immer das Gefühl, dass Gott weit weg ist. So sagt man, dass Gott im Himmel sei, also allgemein gesehen: Irgendwo da oben. Doch Gott ist nicht weit weg. Er ist uns ganz nah, so nah, dass er sogar unsere stillen Gebete und Gedanken wahrnimmt. Gott ist uns näher als wir selbst es uns sind. Und wir sind nicht weit weg von Gott, es sei denn, wir wollen nichts mit ihm zu tun haben. Wir sind Gott so nahe, wie es Familienmitglieder nur sein können, wir sind Gottes Hausgenossen. Der Epheserbrief hat diese Aussage von Jesus übernommen. Jesus lehrte, dass wir zu Gott „Vater“ sagen können. Manchmal aber fühlt man sich fremd in seinem eigenen Haus, der Vater – wo ist er? Wir können uns auch vom Vater entfernen, wenn wir nicht mehr mit ihm sprechen, wenn wir nur mit unseren eigenen Dingen so beschäftigt sind, dass uns das, was der Vater tut, gleichgültig wird – dann entfernen wir uns auch von Gott, dem Vater. Oder wir entfernen uns von den Geschwistern, wie der Text sagt, den Mitbürgern, den Heiligen. Sie kümmern uns nicht – und so verkümmern wir, weil wir uns selbst von der Hausgemeinschaft ausschließen. Die frühe Gemeinde weiß: Wir sind durch Jesus Gottes Familie geworden. Und das können wir auch genießen.

 

*

 

 

 

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

 

 

 

Manchmal fragen Menschen, was ist eigentlich das Besondere am christlichen Glauben? An der Religion der Christen? Es gibt viele Fakten, die unseren Glauben von anderen Religionen unterscheiden. So verkünden wir, dass Gott in Jesus Christus auf die Welt kam. Wir verkünden, dass Jesus Christus für unsere Sünden gestorben ist, damit wir frei werden und wir verkünden, dass Jesus Christus auferweckt wurde, damit wir ewiges Leben haben können. Eine Besonderheit wird hier ausgesprochen: Gott selbst solidarisiert sich mit den Not leidenden Menschen. Er wird mit ihnen eine Einheit. Wenn einer fragen sollte: Wo finde ich Gott? Dann kann man sagen: Schau den Not leidenden, denn Jesus Christus hat gesagt: Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

 

*

 

 

 

Der Wochenspruch für diese Woche aus dem 1. Johannesbrief lautet:

 

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

 

Wir Menschen lieben es, uns auf der Erde gut einzurichten. Wir halten fest, was wir bekommen haben, wir wollen es nicht wieder hergeben. Aber wir wissen, dass diese Welt nur ein Durchgangsstadium ist. Eine kurze Zeit, verglichen mit der ewigen Zeit, leben wir hier auf der Erde. Und dann? Manche von uns Menschen sagen: Dann ist alles aus, wir treten wieder ein in den Kreislauf der Natur. Andere sagen, wir treten ein in den ewigen Kreislauf der Wiedergeburten. Wir waren Menschen – wer weiß, was wir dann sein werden?

 

 

 

Unser Glaube sagt uns: Jesus Christus ist von Gott auferweckt worden – und so wird er auch uns auferwecken. Wenn wir den Weg des Sterbens gehen werden, werden wir diese Welt verlassen und eine neue Tür öffnet sich: Die Tür in die Herrlichkeit Gottes. Wir wissen nicht, wie sie aussehen wird. Aber wir wissen, dass Gott uns in Jesus Christus liebt – und in diese Liebe bergen wir uns und danken Gott, dass er uns ewig bei sich haben möchte in seiner Herrlichkeit.

 

*

 

 

 

Der Wochenspruch für diese Woche steht im Buch des Propheten Jeremia:

 

Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, Herr, so wird mir geholfen.

 

 

 

Manchmal fühlen wir uns stark, so stark, dass man, wie man sagt, Bäume ausreißen könnte. Laut und krachend gehen wir durch die Gegend, reden und zeigen anderen, was für tolle Burschen und Mädels wir sind. Manchmal sind wir ganz klein. Wir fühlen uns unsicher, deprimiert, beobachtet, krank, müde, zerschlagen, ja ausgespuckt. Nicht nur in unserer Schwachheit ahnen wir manchmal, dass wir Hilfe benötigen. Sondern auch dann, wenn wir besonders polternd über andere herziehen, wenn wir andere dominieren, unsere Stärke zeigen, ahnen wir: Oh Mann, wie krank bin ich, dass ich so etwas nötig habe. Manchmal sehnen wir uns nach Heilung, danach, ausgeglichener zu werden, sehnen uns danach, im Frieden Gottes leben zu können und ihn auch in unserem Umfeld verbreiten zu können, damit es gut werde. Damit alles gut werde und nicht noch schlimmer. Und so können wir nur beten:

 

 

 

Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, Herr, so wird mir geholfen.

 

*

 

 

 

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. (Joh 1,14)

 

 

 

Das Wort wurde Fleisch, so schreibt der Apostel Johannes. Ein Lufthauch, Klangwellen wurden Handfestes, wurden Mensch. Das ist unbegreiflich. Ist das unbegreiflich? Interessant ist, dass unsere heutige Wissenschaft entsprechend den Weltanfang erklären will: Energiestrahlen bilden Materie.

 

Ein genauso großes Rätsel für die Wissenschaft ist, dass Materie lebt. Wie kann Totes – Materie eben – lieben, denken, lachen, spüren? Wir Menschen können uns das alles nicht denken. Wenn wir uns nicht täglich im Spiegel sehen würden, würden wir nicht denken, dass es so ein großes Wunder geben kann. Wenn wir die Welt nicht sähen, würden wir nie auf den Gedanken kommen, dass es so etwas überhaupt geben könne.

 

Und dieses Wort des Johannesevangeliums geht noch darüber hinaus. Nicht nur Energiewellen wurden Materie, sondern Gott selbst, der Schöpfer des Himmels und der Erde wurde Mensch. Das Nichtgeschöpf wurde Geschöpf. Er wurde einer von uns. Er lebte, lachte, liebte, litt – so wie wir. Genauso wie wir. Gott wurde in Jesus von Nazareth Mensch. Dieses Wunder aller Wunder feiern wir an diesem Tag.

 

Und was hat das Wunder aller Wunder mit mir zu tun? Es will mich verändern, es will mich hineinnehmen in die große Liebesbewegung Gottes zu Welt und Mensch – und zu mir selbst. Wenn Gott mich liebt – wie sollte ich mich und meinen Mitmenschen nicht lieben?