Der für den heutigen Karfreitag vorgeschlagene Predigttext steht im 2 Kor 5,19-21:

 

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.

Er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

 

So sind wir nun Botschafter an Christi statt,

denn Gott ermahnt durch uns;

so bitten wir an Christi Statt:

Lasst euch versöhnen mit Gott.

 

Lasst euch versöhnen mit Gott,

denn er hat den, der von keiner Sünde wusste,

für uns zur Sünde gemacht,

damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden,

die vor Gott gilt.

 

Soweit der Predigttext. Wir Menschen denken meistens: Wir seien schon ganz passabel. Wir hätten keine Sünde – und wenn, dann sind wir keine größeren Sünder als die anderen Menschen auch. Doch manchmal sind wir auch realistischer. Uns überfällt ein Wissen, dass wir doch keine solche Helden sind. Wir leben nicht so, wie Gott es will, wir leben nicht in Gottes Licht. Und dann kommen solche Fragen auf: Wenn wir sterben – kommen wir dann zu Gott? Will er uns, so wie wir sind? Und es beginnt ein stiller Katzenjammer. Eine Unsicherheit trifft uns, wenn wir uns diesem Jammer stellen – auch Angst. Sie trifft uns vor allem dann, wenn wir daran denken, dass wir ganz plötzlich vor Gott stehen könnten.

Der Mensch, der weiß, dass er zu Gott, zu Jesus Christus gehören will, der annimmt, dass Gott, dass Jesus Christus ihn liebt, der das akzeptiert, der kann sich sicher sein: Gott nimmt dich an, Gott wird dich annehmen. Und dieses Wissen, hebt uns über alle Religionen hinaus. Jesus Christus ist für uns gestorben, damit wir wissen können: Wer sich an ihn wendet, der ist frei, ohne Wenn und Aber. Wie unsere Vergangenheit auch aussah, wie es in unseren Herzen und in unseren Gedanken auch aussieht: Wer sich Jesus Christus zuwendet, der ist frei und wird ewig zu Christus gehören. Was auch immer du angestellt hast, wo auch immer du in Fettnäpfchen getreten bist – oder schlimmer, nicht so gehandelt, gedacht, gelebt hast, wie Gott es möchte, du bist frei, du gehörst zu Christus. Das spricht Paulus in unserem Text aus, wuchtig, kräftig, mit dem wunderschönen Wort von der Versöhnung, dem Wort von der Gerechtigkeit. Sein Wort geht uns nicht leicht ein. Es ist, wie einer mal gesagt hat: Am Wort der Bibel muss man kräftig saugen, damit man von ihm satt wird. Wenn wir an diesem Text saugen, dann erkennen wir: In ihm steht alles, was uns Christen wichtig ist. In diesem kurzen Text finden wir den christlichen Glauben zusammengefasst. Ihn können wir auf unser Merkzettelchen schreiben, weil mit ihm das ausgesprochen wird, wie es gegenwärtig mit uns aussieht, wie es zukünftig mit uns sein wird: Gott hat uns in Jesus Christus angenommen. All unsere Bedenken sind gegenstandslos, unsere Einwände sind beantwortet. Gott hat uns aufgenommen. Wollen wir ihn auch aufnehmen? Damit wir ihn aufnehmen können, darum starb Jesus Christus den gewaltsamen Tod, den wir Menschen ihm zugefügt haben. Wir? Doch nicht wir! Die Menschen damals! Nein: Wir. Haben wir Gott unseren Zorn noch nie entgegengeschleudert? Wenn wir ihn aus dem Himmel herauszerren könnten, wir hätten es längst getan, nicht nur Philosophen und andere, die sich als Freidenker bezeichnen. Gott, schau, wie es uns geht! Wie kannst du es zulassen, dass es so aussieht auf der Erde! Gott, wir wollen nicht abhängig sein von dir! Gott, wir denken dich nicht, also bist du nicht! - Wenn wir Gott nur aus dem Himmel zerren könnten! Ja, Jesus Christus hat unseren Zorn gegen Gott getragen, ihn auf sich genommen. Und so schreibt Paulus unseren Merktext:

 

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber

und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.

Er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

 

So sind wir nun Botschafter an Christi statt,

denn Gott ermahnt durch uns;

so bitten wir an Christi Statt:

Lasst euch versöhnen mit Gott.

 

Lasst euch versöhnen mit Gott,

denn er hat den, der von keiner Sünde wusste,

für uns zur Sünde gemacht,

damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden,

die vor Gott gilt.

 

Wir können nicht sicher sein, dass Gott in unserem Leben bei uns ist und dass wir nach unserem Sterben bei Gott sein werden? Wer Jesus Christus vertrauen will, wer ihm vertraut, ist so gerecht, ist so rein, wie Gott ihn haben will. Er darf sich sicher sein: Seit Kreuz und Auferstehung Jesu Christi wissen wir es, und seine Boten sprechen es an jedem Sonntag im Namen Gottes zu:

 

Der allmächtige Gott hat sich unser schon längst erbarmt. Er vergibt uns durch Jesus Christus unsere Schuld, und führt uns zum ewigen Leben. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, dass wir durch ihn leben sollen.

 

Und wir greifen diese Zusage im Abendmahl auf: Ja, Herr Jesus Christus, wir gehören zu dir, jetzt und ewig.