Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im Lukasevangelium im 9. Kapitel

 

 

 

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

 

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

 

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

 

 

Soweit der Predigttext.

 

Diese Nachfolge-Worte haben heftigste Kritik hervorgerufen. Nicht so sehr der erste Satz, denn er zeigt, dass Jesus immer unterwegs ist, wenn er keine Heimat findet, keine Ruhe. Dieser Satz Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege wurde bewundert – obgleich man sich fragte: Stimmt das wirklich mit dem Tun Jesu überein? Das sieht doch in den Evangelien sonst alles so locker, leger, leicht aus: Jesus legt alles in die Hand Gottes und lebt mit seinen Jüngern in den Tag hinein. Dann sagt er ein paar gute Worte, tut ein paar gute Taten – aber dass er so gedrängt, fast getrieben handelt – das kennt man von ihm nicht so sehr. Wirklich? Fühlt sich ein Menschen, der von großer, unverständlicher Liebe zu den Menschen geprägt ist, angesichts des Leidens der Menschen, nicht angetrieben, ihnen zu helfen – bis zur Selbstaufgabe zu helfen? Überall da, wo Jesus aufgetaucht ist, dürfte ein unerträglicher Lärmpegel die Gegend beschallt haben, das Lärmen von Not leidenden Menschen und deren Helfern, die den großen Arzt und Heiland sehen, spüren, hören wollten. Dazu noch all die Menschen, die nichts zu tun hatten, und die gierig nach Sensationen sehen wollten: Was macht er jetzt, der große Heiler? Und sie haben diese Beobachtungen weitergegeben – als Teil der großen Bewegung, die immer neue Menschen in Not herbeiführten. Jesus, der große Arzt und Heiland – er heilt Menschen an Leib und Seele – er kommt selbst nicht zur Ruhe. Es ist kein Zuckerschlecken, ihm zu folgen, das verlangt schon eine Menge an Selbstaufopferung ab. Jesus ist ehrlich. Er schmiert niemanden Honig ums Maul und pinselt niemandem den Bauch oder malt alles rosarot, nur damit die Menschen ihm folgen. Er kann hart sein, abschreckend, eben ehrlich.

 

Jesus will nicht nur Menschen abschrecken – er benötigt dringend Menschen, die ihm helfen, die ihm zur Hand gehen, die Ordnung in das Chaos der Menschen um ihn herum bringen, er benötigt Menschen, die seine Worte weitersagen, die sein Handeln weitertun. Und so sagt er anderen: Komm, mach mit!

 

 

 

Der eine reagiert und sagt: Ich will zuerst meinen Vater bestatten. Der andere sagt: Ich will mich erst noch verabschieden. Und diese beiden Antworten lassen Jesus hart werden: Lass die Toten ihre Toten begraben – schau nicht zurück, sieh nach vorne! Diese beiden harten Aussagen werden Jesus massiv angekreidet: Er stelle nur sich selbst in den Mittelpunkt, er vernachlässige wie ein Sektenführer die menschlichsten Regungen. Das Humanste, was man sich denken kann, das lehnt er hier ab! – Das kann man Jesus natürlich alles vorwerfen – aber Jesus weiß mehr, als wir heute wissen wollen. Dieser Einsatz für den Menschen ist kein gemütlicher Nachmittagsspaziergang, kein gemütliches Kaffeekränzchen, die Menschen benötigen Hilfe, die Not leidenden Menschen bestimmen das Verhalten, die Zeiteinteilung, die Kräfte, die man ihnen zur Verfügung stellt. Es geht nicht mehr um den Helfer – es geht um diejenigen, die Hilfe benötigen. Und, wie wir an der Hinrichtung Jesu erkennen können: Für andere Menschen da zu sein, sie zu lieben, sich für sie einzusetzen, das ist gefährlich. Das ruft Gegner auf den Plan, Neider, zornige Menschen, die nicht akzeptieren, dass Liebe den Menschenvorschriften vorzuordnen ist. Nachfolge Jesu ist keine leichte Sache, nichts für Weicheier, sie fordert den ganzen Menschen heraus, es ist kein Spaß und Hollahopp. Jesus, so weiß es die christliche Gemeinde seit der Auferstehung Jesu, ist nicht einfach nur ein Vorbild. Einem Vorbild kann man folgen – oder es lassen. Jesus Christus ist der Herr – und er bestimmt das Leben maßgeblich und dazu gehört es, in enger Beziehung zu ihm zu leben, sein Wort zu lesen, im Gebet mit ihm zu reden, sein Leben in seinem Sinne zu gestalten. Es geht um Kampf gegen alle Bosheit und gegen schlimme Schicksale, die Menschen treffen können – und um kämpfen zu können, muss man sein Leben mit Jesus Christus umgestalten. Man muss nachfolgen. Komm, mach mit!

 

 

 

Komm, mach mit!

 

Ich weiß nicht, wie Sie sich einordnen würden, nach dem, was soeben gesagt wurde. Aber überall auf der Welt gibt es Menschen, die trotz dieser und anderer Gefahren sagen: Ja, ich mach mit. In China gibt es immer mehr Christen, in Syrien und im Irak rücken die Christen zusammen, selbst diejenigen, die vorher den Gemeinden nicht so nahe standen, beginnen, über den Glauben nachzudenken und mit anderen gemeinsam die schwere Zeit zu überstehen. In Pakistan rücken Christen zusammen, denken wir an die seit langer Zeit inhaftierte Asia Bibi. In Nordkorea, in Vietnam, überall gibt es Christen, in Nigeria, Tansania, Kenia… - überall sind sie mutig und folgen trotz Verfolgungen Jesus nach. Viele wissen und spüren es an ihrem eigenen Leib: Sie haben keinen Platz, an dem sie zur Ruhe kommen können, sie wissen, es wird von ihnen alles abverlangt, sodass selbst die Trauer hintanstehen muss, damit die Gemeinde nach vorne weitergeht. Die Kopten, die um ihre ermordeten Brüder und Schwestern trauern – sie gehen mutig nach vorne, bleiben nicht in der Trauer stecken. Es gibt freilich auch viele Christen, die angesichts der Angriffe und Entwürdigungen zusammenbrechen und ihren Glauben verleugnen. Wer kann sie nicht verstehen – wer will sie richten? Nachfolge kann mit äußerster Härte verbunden sein. Jesus wusste das. Und wie sieht es bei uns aus?

 

 

 

Komm, mach mit!

 

Wir in Deutschland müssen keine Verfolgungen fürchten. Wir können höchstens Ärger bekommen, wenn wir für urchristliche Werte eintreten, wie die Menschen, die sich gegen die Abtreibung wenden, denen man die Kreuze aus der Hand reißt, sie zerbricht, in die Flüsse wirft, es können dann nur Eier und Flaschen fliegen, es können sich auch Kirchenvertreter gegen einen wenden – aber in der Regel kostet es nicht viel, wenn man seinen christlichen Glauben lebt. Zwei Politiker, einer in der EU und einer in München bekamen ein Amt nicht, weil sie christliche Werte vertreten haben – und ein Shitstorm losbrach, der dazu führte, ihnen das Amt nicht zu geben. Ganz schnell kann es passieren, dass ein Christ als Rechtsextrem beschimpft wird, nur weil er christliche Werte vertritt. Ein wenig Mut kostet es auch bei uns manchmal schon: Du betest vor dem Essen? In der Universitätskantine konnte man da so manche interessante Reaktion erfahren. Von Zustimmung hin bis zu: Du bist ja ein Schauspieler, der nur mit dem Beten provozieren will. Oder: Du gehst sonntags zum Gottesdienst? Hast es wohl nötig! Kicher, kicher. Und wie reagieren wir jeweils darauf? Ich muss, ich bin ja Konfi.

 

Oder: Äußerungen unseres Glaubens werden immer intensiver in Frage gestellt: Kirchen haben kein Recht, Kirchensteuern einzuziehen, sie haben kein Recht Religionsunterricht zu erteilen, sie haben kein Recht, vom Staat unterstützt zu werden, sie haben kein Recht, überhaupt öffentlichen Raum zu besetzen, sie haben kein Recht, in den Medien so viel Raum zu bekommen…, Kreuze müssen weg, kirchliche Feiern müssen weg, christliche Moral muss weg… - Und, wer sagt es, dass sie kein Recht dazu haben? Das ist so eine diffuse Strömung in unseren westlichen Ländern, die sich auf kein Recht berufen können, aber so tun, als seien sie neutral und dürften sich das Recht heraus nehmen, gegen den christlichen Glauben unfair zu agitieren. Natürlich haben sie das Recht dazu, aber es muss alles sachlich geschehen. Was will ich damit sagen? Es deutet sich an, dass Nachfolge auch in unserem Land immer heftiger werden wird. Intoleranz gegen Christen nimmt in Europa zu – das zeigen auch die Beobachtungen der OSZE. Noch kostet es nicht viel, Jesus Christus zu folgen. Aber auch uns gilt: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

 

 

 

Komm, mach mit! sagt Jesus – und viele gehen mit. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die in Jesu Namen helfen. Sie sind medizinisches Personal und in Krankenhäusern tätig, sie sind Ingenieure, Architekten, Handwerker, sie sind Lehrer, Landwirte, Sozialarbeiter – es gibt im Grunde kein Land, das für Christen offen ist, in dem keine Christen in der Nachfolge leben.

 

 

 

Komm mach mit!

 

Warum sollte ich Jesus Christus folgen? Bleibt ihr bei mir? fragte Jesus seine Jünger. Petrus antwortete: Du allein bringst das ewige Leben, wohin sollen wir sonst gehen? Paulus sagt: ich bleibe bei Jesus, weil er sich aus Liebe für mich erniedrigen und töten ließ, er lebt jetzt in mir. Und im Brief an die Epheser heißt es: In Jesus ist die Fülle – und er allein stillt unsere Sehnsucht nach Gott. Alle sagen sie, durch die Jahrhunderte hindurch: In Jesus Christus können wir uns bergen in Zeiten der Angst, der Kraftlosigkeit, der Erniedrigung und des Todes. Gott sei Dank!

 

Ich möchte es mit dem Dichter Clemens Brentano formulieren, der dazu ein Gedicht geschrieben hat:

 

 

 

Im Namen Jesu

 

Ich möchte gern was schreiben,

 

Das ewig könnte bleiben;

 

Denn alles andere Treiben

 

Will nur die Zeit vertreiben.

 

 

 

Ich möchte gern was lieben,

 

das ewig ist geblieben;

 

Denn in den andern Trieben

 

Wird nur die Lieb vertrieben.

 

 

 

Ich möchte gern mein Leben

 

Zu Ewigem erheben;

 

Denn alles andere Streben

 

ist in den Tod gegeben.

 

 

 

Drum schreib ich einen Namen,

 

Drum lieb ich einen Namen

 

Und leb in einem Namen,

 

Der Jesus heißt – sprich Amen.

 

 

 

Die 21 koptischen Märtyrer riefen vor wenigen Wochen vor ihrem gewaltsamen Tod:

 

Oh Gott, Jesus Christus, Jesus, mein Herr.

 

 

 

Warum Jesus Christus folgen? Darum.