Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im Brief des Apostels Paulus an die Römer im 10. Kapitel:

 

 

 

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht: »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden«. Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht: »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht: »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

 

 

 

Soweit der Predigttext.

 

Freudenboten und Freudenbotinnen sind unterwegs. Seit Gott in Jesus Christus zu uns auf die Erde gekommen ist, sind Freudenboten unterwegs. Es ist eine große Bewegung der Freudenboten, weltweit zu erkennen. Ausgehend von Israel, dem Volk Gottes, dem kleinen Land am östlichen Mittelmeer, hat die Bewegung der Freude Menschen auf allen Kontinenten erfasst. Und das seit 2000 Jahren durch die gesamte Geschichte hindurch. Vergangene Generationen gaben die Freudenbotschaft weiter – hin bis zu uns – und geben wir sie weiter?

 

 

 

Wir haben eine große Vision, angestoßen von Jesus Christus, eine Vision, dass Gott es nicht nur gut mit uns Menschen meint, sondern dass er auch den Weg weist, damit wir es als Menschen gut machen, dass wir gut miteinander umgehen können. Vereint in der großen Bewegung der Liebe Gottes zu uns Menschen und angefeuert durch die Bewegung Gottes zu den Menschen gehen die Freudenboten. Und nichts kann sie stoppen.

 

Wenn wir die Geschichte anschauen, die Weltgeschichte, dann sehen wir die Freudenboten, die Jesus ausgesandt hat: Petrus, Johannes, Thomas, Maria Magdalena – und wie die Jünger und Nachfolgerinnen alle heißen. Wenn wir sie anschauen – dann sehen wir gleichzeitig, dass Auseinandersetzungen und Widerstand ihr Wirken prägte. Kaum einer der Jünger starb einen normalen Tod. Dann hebt sich ein weiterer großer Name ab: Paulus. Auch dieser große Freudenbote, dem wir unseren Predigttext verdanken, der schreibt in einem Brief aus dem Gefängnis, aus dem er, so befürchtet der Apostel, nicht mehr lebend herauskommt: Freuet euch und allezeit sage ich euch: Freuet euch (Philipperbrief).

 

Freude bestimmt diese Freudenboten in Zeiten der Trauer, der Verfolgung, der Not, der Sorge. Sie erfahren Trauer, Leiden, Schmerzen, Tod – aber der Grundton ihres Lebens ist: Freude. Nicht Gelächter und Spaß, sondern von Gott geschenkte Freude. Warum? Der Tod ist besiegt! Was kann sie dann noch grundlegend deprimieren, traurig machen? Die Freudenboten wissen, dass der Tod besiegt wurde, weil Gott an Jesus Christus handelte und ihn von den Toten auferweckt hat. Das ist für sie ein Beweis dafür, dass Gott stärker ist als der Tod. Christen haben diesen Beweis – und darum müssen sie sich vor dem Tod nicht mehr fürchten. Christen vertrauen Gott, sie vertrauen dieser frohen Botschaft – von daher sind sie Freudenboten des Lebens. Wer Gott vertraut, so sagte schon der Prophet, wird nicht zuschanden werden, wird nicht enttäuscht werden, wird Sterben erfahren, aber danach das Leben sehen und nicht den Tod.

 

 

 

Aber ist das denn glaubwürdig, was die Freudenboten da sagen?  Auferstehung widerspricht doch allen unseren Erfahrungen! Kann aus Nichts etwas entstehen? Nein, sagen wir – und doch, wie kann es sein, sind wir. Wie kann aus dem Nichts, denn es war ja einmal alles nichts, wie kann aus dem Nichts auf einmal etwas werden? Wir stehen vor einem großen Rätsel, weil das all unserer wissenschaftlichen Klugheit und unserer Lebenserfahrung widerspricht. Kann Materie leben? Nein, natürlich nicht. Wenn wir zu dem Stein sagen: Lebe – das klappt nicht. Materie kann nicht Leben, auch das kann man beim besten Willen (noch) nicht mit wissenschaftlicher Klugheit hinbekommen. Dass wir Menschen als Zusammenballung von Materie überhaupt leben können - das widerspricht auch unseren Erfahrungen. Dennoch: Wir müssen nur in den Spiegel schauen: wir leben, lieben, glauben, hoffen, schauen, hören – und atmen! Und das, obgleich wir aus Materie bestehen! Jedes noch so kleine Insekt ist ein Wunder, das es gar nicht geben dürfte! Und all das Leben ist nicht nur, sondern kann sich auch reproduzieren: Aus zwei kleinen Fliegen werden viele kleine Fliegen.

 

 

 

Unsere Erfahrungen sind wichtig. Aber: Unsere Erfahrungen sind nicht Maßstab für Wirklichkeit, geschweige denn für die Wirklichkeit und das Handeln Gottes.

 

Doch diese Erfahrung der Auferstehung, die haben die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu zu allen Zeiten hindurch gemacht. Wir sprechen davon, dass Gott sein Antlitz über uns leuchten lässt. Wir erkennen ihn in den kleinsten alltäglichen Begebenheiten. In allen Sorgen, Nöten, Fragen, Ängsten – können wir auf einmal beim Staubsaugen sagen: Danke, mein Gott. Auch wenn wir Gott nicht hinter dem Gefühl erkennen, kann uns auf einmal ganz warm ums Herz werden – es ist ein kleiner Augenblick des Glücks, den uns Gott beschert. Sein Antlitz leuchtet wohlwollend über uns. Wir spüren: Gottes Liebe nimmt uns wahr – und wunderbarer noch: Wir nehmen Gottes Liebe zu uns wahr. Manche verstehen dieses Gefühl nicht, aber Freudenboten haben die Aufgabe, den Menschen dieses Gefühl des Glücks, diese Momente der Transzendenzerfahrung, des Friedens, der Geborgenheit – als Gottes Gegenwart zu interpretieren, als Erfahrung des auferstandenen Jesus Christus.

 

 

 

Menschen, die diesen Augenblick des Glücks als kleinen Liebesgedanken Gottes verstehen, sehen nun das gesamte Leben anders. Sorgen sind da, Ängste, Nöte, Druck durch andere Menschen und man steht sich selbst im Weg, Sterben und Schmerz – das alles bleibt. Ich bin auch irgendwie immer noch wie ich bin – ja, aber alles wird anders. Eine Landschaft, wolkenschwerverhangen, ist eine wolkenschwerverhangene Landschaft. Bricht ein kleiner Sonnenstrahl durch die Wolkenlücke hervor, wird alles in ein anderes Licht getaucht. Diese kleinen Augenblicke, in denen wir den auferstandenen Jesus ganz nahe, als Teil von uns selbst erfahren dürfen, diese Nähe und Wärme, Liebe und Geborgenheit, die Gott uns schenkt, verändern auch unsere Blicke auf Sorgen, Nöte, Ängste. Darum rufen Freudenboten den Menschen zu: Es ist nicht nötig, dass ihr euch niederdrücken lasst. Sehet auf und erhebet eure Häupter – der auferstandene Jesus Christus ist nah. Man muss ihn nur wahrnehmen, man muss ihm nur die Möglichkeit geben, unser Leben zu verändern, so zu verändern, dass wir selbst Freudenboten werden.

 

 

 

Nicht jeder glaubt den Freudenboten. Im Gegenteil: Jeder Freudenbote ruft auch Neider hervor, ruft Gegner hervor, Menschen, die meinen, sich über Gott und seine Boten stellen zu müssen, sich ihnen entgegenstellen und sie bekämpfen zu müssen. Darum begegnet uns überall da, wo die Freudenboten auftreten, auch der Schatten der Gottesgegner. Ohne die Freudenboten Gottes gäbe es auch keine Gottesgegner. Sie stehen im Licht Gottes – und sofort sind auch die Schatten der Gegner anwesend. Aber das macht nichts. So ist es eben seit Jesus Christus in die Welt gekommen ist – er hatte Gegner und wurde letztlich hingerichtet. Diese Erfahrung machen Freudenboten weltweit. Wie viele Menschen werden aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus hingerichtet, bedrängt, entführt, gequält, gefoltert, verspottet. Junge Menschen, Mädchen vor allem, aber auch Jungs, Eltern und Großeltern. Und sie ertragen das alles, die Freudenboten Gottes, weil sie, wie Paulus sagt: einen Herrn haben und sich auch zu diesem Herrn Jesus Christus bekennen.

 

Aber auch in uns selbst entstehen manchmal diese Schatten. Wir selbst sind uns und unserem Glauben Gegner.

 

 

 

Doch diese Leiden können nicht den Glauben verhindern, denn Freudenboten haben den Sonnenstrahl in der wolkenbehängten Landschaft gesehen, sie stehen ja in diesem Strahl. Und da sollten sie sagen, es gibt die Sonne nicht? Sie würden sich als Lügner, Betrüger, dumme Menschen vorkommen: Da steht man im Sonnenstrahl – und sagt dann, weil alle sagen: Es gibt keine Sonne? Man steht in diesem Strahl und soll nun, weil man verspottet wird oder selbst zweifelt, sagen: Es gibt kein Licht? Es gibt keine Wärme? Es gibt keine Liebe, keine Freiheit? Es gibt keinen Gott, keinen auferweckten Jesus Christus? Wie dumm ist das denn? Es wird immer Schatten geben, die die Freudenboten werfen. Aber das kann sie nicht davon abhalten, Gottes Freudenboten zu sein und das weltweit, seit 2000 Jahren und allezeit.