Ich begrüße Sie zu dem Gottesdienst am Weihnachtsfest mit dem Wort für diesen Tag aus dem Johannesevangelium:

 

 

 

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.

 

 

 

Wir feiern heute einen Themengottesdienst. Das Thema unseres Gottesdienstes lautet:

 

 

 

Freudenlieder erhellen Dunkelheiten des Lebens.

 

 

 

Der Tagesspruch – Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit – er ist eine große Freude. Doch wer versteht noch auf Anhieb, was an dem Satz die große Freude ist? Das Wort, das wir mit „Wort“ übersetzt haben, das ist das große Geheimnis hinter diesem Freudensatz. Was heißt: Das Wort wurde Fleisch, wurde Mensch?

 

Das Wort spielt eine sehr große Rolle, schon zu Beginn der Bibel. In der Schöpfungsgeschichte heißt es: Gott sprach: Es werde Licht – und es wurde Licht. Gottes Wort ist nicht einfach Schall und Rauch – es ist schöpferisch, es wirkt, es nimmt Gestalt an.

 

Auch bei den alten Griechen spielt der Logos, das Wort, eine große Rolle: Das Wort ist das Göttliche, das die Planeten in ihren Bahnen hält, die Sterne ihren regelmäßigen Lauf laufen lässt, es bewirkt die Regelmäßigkeit der Jahreszeiten. Und es bildet sich in uns Menschen im Verstand ab, der dieses alles wahrnehmen kann.

 

Das Wort, der Logos, das ist Gottes Macht, Gottes Stärke, Gottes Kraft, sein Erhaltungswille – und diese werden nun in Jesus Christus Mensch. Die gesamte göttliche Herrlichkeit, die im Kosmos und in der Welt wirken, wird in diesem Jesus Wirklichkeit, Mensch.

 

Wir Menschen denken uns seitdem Gott nicht mehr nur irgendwie aus, sondern: In Jesus Christus ist Gott greifbar, in ihm ist er zu sehen und zu hören, zu spüren und zu schmecken, in ihm haben wir Trost und Halt.

 

Das, was Gott uns in Jesus Christus getan hat, das verkünden die Weihnachtslieder mit großer Freude. Dem spüren wir in unserem Gottesdienst nach.

 

 

 

Lied 39,1-3.6-7 Kommt und lasst uns Christum ehren

 

 

 

Wir feiern den Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters, der uns in Jesus Christus seine große Liebe gezeigt hat, im Namen des Sohnes, der in seiner Liebe Mensch geworden ist und Gottes Liebe zeigte und im Namen des Heiligen Geistes, der uns die Liebe Gottes ganz nahe kommen lässt, sie in unsere Seele hineinsenkt, damit wir froh und dankbar sein können.

 

 

 

Lied 27 Lobt Gott ihr Christen

 

 

 

Maria hat erfahren, dass sie ein Kind gebären wird. Wir hören in den Evangelien, dass sie schwanger wurde, ohne mit einem Mann verkehrt zu haben. Dieses Wunder, das die Menschen bis heute beschäftigt in ungläubigem Staunen, brachte für Maria eine sehr große Gefahr mit sich: Sie muss befürchten, gesteinigt zu werden. Gott sagte ihr zwar, sie solle sich nicht fürchten – aber wer ist schon so stark? Und nun ist dieses Kind da. Gott hat alles gut gemacht. Ich lese aus dem Lukasevangelium:

 

 

 

Lukas 2,1-20

 

 

 

Lied 30: Es ist ein Ros entsprungen

 

 

 

Nacht. Wir erleben in unserem Leben viele Nächte, viele Dunkelheiten. In unserem persönlichen Leben lernen wir Verrat kennen, Liebesverrat, wir haben Sorgen und wissen manchmal nicht aus noch ein, Sorgen verschiedenster Art: um liebe Menschen, um Geld, um uns selbst. Wir erleben Krankheiten, die uns kurz plagen oder Krankheiten, die uns lange plagen, die wir einfach nicht verstehen, nicht verstehen, warum es uns trifft.

 

Auch die Not der Welt ergreift uns, die Finsternisse in der Welt machen uns zu schaffen und wir sehen alle, gerade auch die Herrschenden in den Finsternissen herumtappen. Menschen haben kein Licht, sie finden keinen Weg, irren hier hin und dort hin und rempeln überall an – Kriege, Unterwerfungen, Machtgebaren, Denunziationen, Terror, wahnsinnige Menschen gefährden das Leben, die Freiheit, das Zusammenleben der Menschen.

 

Grausamkeiten – wohin wir blicken. Und manchmal trifft es auch unser Land.

 

 

 

Lied 56 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen

 

 

 

In der Zeit Jesu war es nicht anders. Gott wurde Mensch, eben weil die Menschen überall so grausam miteinander umgehen. Damals herrschten die Römer im Westen. Eroberungskriege beherrschte das Tun, Ausbeutung der eroberten Länder. In Israel mussten Menschen schuften, damit die Römer der Oberschicht gut zu essen hatten. Israel lebte zwar in relativem Frieden – aber was heißt das schon, gemessen an den Bürgerkriegen. Selbst im damals im Westen noch unbekannten China, der Regierungszeit des Wang Mang (9-23) gab es Bürgerkriege, Bauernaufstände, Menschen wurden vertrieben und entwurzelt. Aus Afrika haben wir keine Informationen – aber auch dort werden Stammesgrausamkeiten geherrscht haben. Menschen sind seit jeher die größten Feinde des Menschen. In diese Zeit hinein kam Jesus Christus.

 

 

 

(Lied 46 Stille Nacht)

 

 

 

Jede Nacht ist neutral gesehen wie die Nächte insgesamt, seit Jahrmillionen. Der Mond scheint in einem bestimmten Rhythmus, Sterne gehen auf und unter, je nach Jahreszeit, von Jahr zu Jahr.

 

Doch es gibt Nächte, die sind für den einzelnen Menschen wichtig. Vielleicht erinnern Sie sich auch an eine Nacht, die ihnen im guten Sinne sehr wichtig war. Und so finden wir auch eine Nacht in der Menschheitsgeschichte. Die Nacht der Nächte wurde von Glaubenden für Glaubende weitergegeben: die Nacht der Geburt Jesu. Diese Nacht der Nächte war für die Menschheitsgeschichte keine Nacht wie jede andere. In ihr fand die Geburt dessen statt, der uns Menschen unendlich viel bedeutet. Manche erkennen das, manche wollen es nicht wahr haben. Aber die Nacht der Nächte, in der das Licht hereinkam in die Welt, kann keiner rückgängig machen. So viel Macht hat kein Mensch, auch wenn so mancher es versucht.

 

 

 

Lied: 54 Hört der Engel helle Lieder

 

 

 

In diese Zeit der Dunkelheiten hinein kam Jesus. Hat sich etwas geändert? Ja.

 

Hirten, warum wird gesungen?

 

Es hat sich viel geändert. Die Lieder bezeugen es. Es gibt zwar immer noch Mord und Totschlag, ich muss es nicht sagen. Aber was hat sich geändert?

 

Wenn ich Sie fragen würde: Hat sich etwas durch Jesus Christus geändert – was würden Sie antworten? Es durchziehen Freudenlieder das Leben vieler Menschen, trotz der Dunkelheiten und Finsternissen der Welt:

 

Mit Jesus wissen wir: die Würde des Menschen gilt auch denen, die in der Gesellschaft nichts zählen: Jeder Mensch, wer auch immer, kann Gott aufnehmen, kann Gottes Kripplein sein. Gott liebt jeden Einzelnen so sehr, dass er in ihm wohnen möchte. Jeder ist wertvoll. Und so erheben uns die Weihnachtslieder, wenn wir niedergeschlagen sind, und uns selbst nicht verstehen – denn Gott macht uns groß.

Jesus lehrt, den einzelnen Menschen als Individuum zu sehen, jeder einzelne Mensch darf sich als wertvolles Ich erkennen und als von Gott geliebt ansehen. Das hat Auswirkungen bis ins heutige Indien, in dem sich Unberührbare Jesus Christus zuwenden, weil sie spüren: Von Gott werde ich geliebt, von Gott, der die Erfüllung der Sehnsucht ist: Sohn Gottes in der Höh, nach dir ist mir so weh.

In Afrika erkennen Menschen, dass sie befreit sind von bösen Dämonen, von Geister-Ahnen, weil Jesus Christus sie befreit. Er ist stärker als die menschenfeindlichen Mächte: sie verkünden uns mit Schalle, dass der Eröser nun erschoien.

Das Leben des Einzelnen bekommt ein Ziel: Nicht der Tod steht am Ende, das Vergehen, sondern ewiges Leben in der Liebe Gottes: Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis.

Nicht das schlechte Gewissen, das Kreisen um Schuld muss mehr sein, sondern das Leben durch die Vergebung der Sünden darf uns frei machen: rettet von Sünd und Tod.

Er schenkt Kraft in Traurigkeit – nimm an des Christus Freundlichkeit.

Und von vielen dieser genannten Besonderheiten hören wir in den Freudenliedern zu Weihnachten.

 

 

 

Lied 45 Herbei oh ihr Gläubigen

 

 

 

Manche und mancher von Ihnen mag soeben gedacht haben: aber die Kreuzzüge, aber die Hexenverfolgung, aber die grausamen Missionierungen in Süd und Mittelamerika, aber die Machtkämpfe im Mittelalter und der 30jährige Krieg! Doch so manche und mancher sollte auch an die Gegenwart denken, die Grausamkeiten durch Kapitalismus, Kommunismus, Nationalismus und Nationalsozialismus, sollte daran denken, dass wir nie mehr Sklaven auf der Welt hatten als heute – es dauert lange, bis sich das Licht Gottes durchsetzt – weltweit durchsetzt, furchtbar lange. Wir sind gefordert, das kleine Licht, das in der Weihnachtsnacht angezündet wurde, weiterzugeben. In unserer normalen Alltagswelt, überall wo wir aktiv sind das Licht Gottes weiterzugeben. Das ist unser Auftrag. Obwohl es so lange dauert, obwohl es so mühsam ist, können Christen in der Dunkelheit schon einmal fröhlich singen, weil sie wissen, dass Gott sein Licht durchsetzen wird.

 

 

 

(Lied 36,1-3.10-12 Fröhlich soll mein Herze springen)

 

 

 

Seit Weihnachten können Christen gelassen sein. Weltenretter welcher Couleur auch immer, sind fanatisch, meinen, sie müssten die Welt retten, an ihnen hängt alles, heute müssen die Menschen nach ihrer Pfeife tanzen, damit die Welt gut wird. Solche fanatischen Pfeifer gibt es auch heute, die Menschen zwingen wollen, die Meinungsfreiheit einschränken wollen, die anderen diktieren wollen, was gut ist – solche gibt es zu allen Zeiten und auch heute. Kinder Gottes, die das Licht Gottes im Herzen tragen, können gelassen sein. Fröhlich und dankbar können sie sein, denn das Heil der Welt hängt nicht von ihnen ab, sondern von dem, der die Welt liebt und auf seine Weise versucht, die Herzen der Menschen zu ändern. Kinder Gottes können fröhlich singen, weil sie Gott am Wirken sehen. Derjenige, der vor 2000 Jahren in die dunkle Welt gekommen ist, wird sie auch jetzt nicht allein lassen.

 

 

 

Lied 35 nun singet und seid froh

 

 

 

Unser Gott, Du hast die Welt verändert. Doch wir warten weltweit darauf, dass sich Dein guter Wille mit den Menschen durchsetzen wird. Und so denken wir vor Dir an deine Kinder und andere Menschen, die weltweit verfolgt, ermordet, erniedrigt, ausgebeutet werden. Und es sind ja nicht nur einzelne Verbrecher, die unmenschlich mit Deinen Menschen umgehen, sondern Staaten, Religionen, Kulturen. Wir bitten Dich, gib Deinen Kindern dort wie überall Mut, gute Akzente zu setzen, auch wenn es gefährlich wird. Gib ihnen Mut, menschlich zu sein, auch wenn andere Härte fordern.

 

Wir bitten aber auch für unsere Politiker, dass sie in dieser Zeit, in der es so viele Meinungen über den richtigen Weg gibt, in Verantwortung vor Dir den richtigen Weg zum Wohl des Volkes und der Menschen, die zu uns kommen, finden. Und wir bitten für die Polizisten und Sicherheitskräfte, die mit diesem Chaos fertig werden müssen. Wir denken an das Krankenhauspersonal, das mit Menschen konfrontiert wird, die Krankheiten und Mentalitäten haben, die sie bislang nicht kannten. Wir denken vor Dir auch an die vielen Helfer, die ein anderes Bild von den Fremden hatten, die zu uns kommen, und nun vielleicht enttäuscht oder aber auch beglückt sind. Und wir bitten für diejenigen, die entscheiden müssen, ob einer bleiben darf oder nicht, gib ihnen Kraft und Weisheit für die Entscheidungen.

 

Unser Gott, wir beten für die Menschen in unserer Gemeinde, die krank geworden sind und dich und dein Tun nicht verstehen. Die darum hoffnungslos und verzweifelt sind. Sei ihnen nahe mit deiner geheimnisvollen Kraft, deinem Licht, deinem Wort und Sakrament. Lass uns achtsam sein auf die Zeichen, in denen du zu uns sprechen willst, hilf uns dankbar zu sein für die Momente, in denen du uns deine Nähe spüren lässt. Richte Du uns auf, damit wir uns nicht durch Zorn und Hass in den Sumpf des Bösen und der Selbstzerstörung hinabziehen lassen. Lass auch uns teilhaben an deiner großen Bewegung gegen die Lieblosigkeit: im Gebet, in kleinen und großen Taten, in guten und hilfreichen Worten und guten Gedanken. Und das an jedem Tag. Damit unsere Sehnsucht, die in den Fenstern glitzert im Alltag immer stärker Wirklichkeit wird.

 

 

 

All unsere Sehnsucht nach Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit, die wir mit Weihnachten verbinden, sprechen wir in dem Gebet aus, das Du uns zu beten gelehrt hast:

 

Vater unser

 

 Segen

 

Seit Weihnachten, seit Gott in diese Welt gekommen ist, wissen wir, dass wir uns nicht entmutigen dürfen, weil Gott mutig macht. Wir wissen, dass nicht die Schmerzen und der Tod siegen werden, weil Gott ins Leben gekommen ist. Nicht Friedlosigkeit, nicht Dunkelheit, nicht Angst, nicht Grausamkeit werden das letzte Wort haben, weil Gott immer wieder Menschen erwählt, die sich all der Finsternis phantasievoll und tapfer entgegenstellen, die das Gute wollen und auch tun.

 

Uns so segne dich und behüte dich, der gnädige und barmherzige Gott, † der Vater und der Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist. Heute, Morgen und in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

 

 

Lied 44 Oh du fröhliche