Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im Buch des Propheten Jesaja im 40. Kapitel:
Ihr aber – wisst ihr es nicht besser? Oder wollt ihr es nicht hören? Hat man es euch nicht von Anfang an erzählt? Ist euch wirklich nicht bekannt, wer die Erde gemacht hat?Es ist der Herr! Hoch thront er über der Welt; ihre Bewohner sind für ihn klein wie Heuschrecken. Er spannt den Himmel aus wie einen Schleier, er schlägt ihn auf wie ein Zelt, unter dem die Menschen wohnen können. Er stürzt die Mächtigen und nimmt den obersten Richtern die Gewalt. Sie gleichen jungen Pflanzen: Kaum sind sie gesetzt, kaum haben sie Wurzeln geschlagen, da bläst er sie an, und sie verdorren. Wie Spreu werden sie vom Sturm verweht. »Mit wem also wollt ihr mich vergleichen?«, fragt der heilige Gott. »Wer hält einem Vergleich mit mir stand?« Blickt nach oben! Schaut den Himmel an: Wer hat die unzähligen Sterne geschaffen? Er ist es! Er ruft sie, und sie kommen hervor; jeden nennt er mit seinem Namen. Kein einziger fehlt, wenn der starke und mächtige Gott sie antreten lässt. Ihr Nachkommen von Jakob, ihr Israeliten, warum behauptet ihr: »Der HERR weiß nicht, wie es uns geht! Es macht unserem Gott nichts aus, wenn wir Unrecht leiden müssen«? Begreift ihr denn nicht? Oder habt ihr es nie gehört? Der HERR ist der ewige Gott. Er ist der Schöpfer der Erde – auch die entferntesten Länder hat er gemacht. Er wird weder müde noch kraftlos. Seine Weisheit ist unendlich tief. Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Menschen ermüden und werden kraftlos, starke Männer stolpern und brechen zusammen. Aber alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.
Soweit der Predigttext. Wir hörten:
Der HERR ist der ewige Gott. Er ist der Schöpfer der Erde – auch die entferntesten Länder hat er gemacht. Er wird weder müde noch kraftlos. Seine Weisheit ist unendlich tief. Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Menschen ermüden und werden kraftlos, starke Männer stolpern und brechen zusammen. Aber alle, die ihre Hoffnung auf den HERRN setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft.
Soweit der Predigttext.
Wenn wir unser Leben als Christen betrachten, wenn wir das Leben anderer Christen betrachten, dann sehen wir, je nach augenblicklicher Gefühlslage: Das stimmt nicht, dass alle, die ihre Hoffnung auf Gott setzen, neue Kraft bekommen. Das stimmt nicht: Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft. Wie oft sind wir ausgelaugt, resigniert, müde, erschöpft, verzweifelt, haben Angst und sorgen uns.
Aber andererseits – eben je nach Gefühlslage: Es stimmt! Ich setze meine Hoffnung auf Gott und bekomme neue Kraft. Es stimmt: Glaubende laufen und sind nicht ausgelaugt, resigniert, müde, erschöpft, sie sehen in der Verzweiflung ein Licht und werfen ihre Sorgen auf Gott, und er hilft.
Ja, was denn nun? Stimmt das, was uns der Prophet sagt, oder stimmt das nicht?
Der Prophet weist unseren Blick zunächst einmal auf uns Menschen und sagt, wie klein wir doch sind. Wenn wir in den Bergen oder auf dem Meer sind, selbst wenn wir sehr hohe Bäume anschauen, dann sehen wir, spüren wir, wie klein wir sind. Wir Menschen fühlen uns freilich als Herren und Herrinnen der Welt. Alles hängt von uns ab. So gestalten wir die Wälder, wir gestalten Flüsse und Seen, Städte entstehen – selbst das Klima, so denken manche, ist in unserer Hand. Aber eigentlich sind wir klein. Jeder hat seine kleine Lebenszeit in der Unermesslichkeit der Zeiten.
Dann lenkt er den Blick weg von uns. Er spricht davon, wie wunderbar Gottes Wirken ist. Und das ist für Glaubende auch ergreifend, erstaunlich, wunderbar: der Kosmos. Je mehr wir heutzutage vom Kosmos wissen, desto ergreifender, erstaunlicher, wunderbarer ist alles. Es sind ja nicht nur funkelnde Sterne am Himmel, was schon wunderbar genug ist. Wann haben Sie oder wann habt Ihr zum letzten Mal hinaufgeschaut, nachts, in der Dunkelheit und die Sterne betrachtet? Im Alter sieht man manchmal immer weniger Sterne oder gar nicht mehr – aber wann haben wir in Erinnerung das gemacht, hinaufgeschaut zu den funkelnden Sternen? Es ist alles so wunderbar! Und dann mit der heutigen Wissenschaft entdecken wir unsere Galaxie, die Milchstraße, wir entdecken, dass es viele Galaxien gibt, dass diese riesigen Gebilde miteinander verwoben sind – das ist alles nicht vorstellbar. Es ist einfach mindblowing, Kopf zerreißend.
Und Gott hat all das in seiner Hand – darauf weist uns der Prophet hin. Hat Gott alles erschaffen? Hat er es nicht? Ist alles Zufall? Viel Spaß beim Grübeln. Für Glaubende ist klar: Es gibt Gott. Warum? Weil sie mit Gott eine LiebesBeziehung haben. Wie bei jeder Beziehung: Wir können uns gegen oder für Gott entscheiden. Glaubende entscheiden sich für Gott, weil Gott ist, existiert, erschaffen hat, uns erhält, uns liebt. Und wenn es Gott gibt, dann hat er auch alles in seiner Hand. Und wenn Gott all das in seiner Hand hat, warum meinst du, er hat dein Leben nicht in der Hand? Warum meinst du, er sieht dich nicht, nimmt dich nicht wahr? Warum meinst du, du bist einsam und allein, keiner kümmert sich um dich? Doch, Gott der Schöpfer und Herr der Welt, er kümmert sich um dich. Du bist nicht allein.
Warum sagt der Prophet das seinem Volk, warum sagt er es uns? Weil wir manchmal nur um uns selbst kreisen. Wir haben keine Perspektive. Wir entscheiden uns nicht für die eine oder andere Weltsicht. Wir sind, je nach Situation in uns verkrampft, Gefangene unseres Lebens, verwirbelt im Netz des menschlichen Miteinanders. Wir spüren nur: Es geht alles irgendwie daneben, es klappt nicht, wir sind einfach Nichtse in dem Leben, in der Welt, im Miteinander der Menschen. Und so verkümmern wir in dem Leben, werden immer mickriger, kleiner, verstummen. Manchmal haben wir den Eindruck, dass eine grausame Lebenswelle nach der anderen über uns hinwegrollt. Es gibt kein Aufatmen, nur ein Niederdrücken unter die heftigen Strömungen. Wir können dem nichts entgegensetzen, wir geben irgendwie auf.
Was für ein Bild geben Menschen ab, die sich aufgegeben haben? Sie senken den Kopf, die Schulter fällt nach vorne, der Blick geht nach Innen, der ganze Körper wird kraftlos, schwach, müde. Der Händedruck ist schlaff. Das hat der Prophet beobachtet. Er beschreibt ja selbst, dass wir Menschen eigentlich nur kleine Heuschrecken sind, die in der Fülle der Schwärme über die Erde herfallen. Und diejenigen, die sich mächtig aufplustern, die aufgeplustert werden, die Herrscher – auch sie sind nicht Götter, sind nicht größer, auch sie sind kleine Heuschrecken. Sie unterstehen Gott, wie jeder Mensch.
Aber was macht der Prophet dann? Er weist zum Himmel, er lenkt unseren Blick zu den Sternen. Wie verändert sich der Körper, wenn man nach oben schaut? Auf einmal stehen wir mit erhobenem Kopf da, wir stehen da, so aufrecht, wie wir können. Der Rücken und die Schultern sind gestrafft! Blicke auf! Blicke auf! Schau an, was Gott alles tut!
Die mit dem Text Angeredeten können natürlich weiterhin den Kopf senken. Wir können weiterhin den Kopf senken. Und es wird häufig passieren, dass sich der schwere Kopf wieder senkt. Aber der Text macht etwas mit uns: Er schenkt uns eine neue Perspektive, eine neue Blickrichtung. Wir müssen uns nur entscheiden, was wir tun. Wenn wir in unserer Hoffnungslosigkeit, in den Sorgen, in den Weltproblemen nicht mehr ein noch aus wissen, dann lassen wir uns gehen. Wir entscheiden nicht – wie eine Welle nach der anderen über uns kommt und wir einfach so in der Welle des Lebens untergehen.
Aber der Prophet sagt: Nein, Leute, nein! Ihr habt eine Entscheidungsmöglichkeit. Ihr könnt euch natürlich einfach von dem bösen, den heftigen Wellen des Lebens unterkriegen überfluten lassen. Das geht ganz einfach. Aber: Ihr könnt euch auch dafür entscheiden, zu Gott aufzublicken. Die üblen Lebensfluten sind keine unentrinnbaren Mächte – schaut auf, schaut auf Gott! Was euch auch immer passiert, ihr habt mit diesem Text die Möglichkeit, euch zu entscheiden. Für Gott. Für die Hoffnung. Für das Leben.
Du hast eine neue Perspektive – diese heißt: Gott. Diese Perspektive bringt Licht in die Dunkelheit. Sie bringt Kraft in der Schwäche, sie lässt sich uns, die wir immer wieder ermüden, stark werden. Manchmal meinen wir, wir haben genug erfahren, das Schlimme überwiegt. Nein, nein!
Die Frage ist: Wollen wir uns von irgendwelchen üblen Fluten überfluten lassen, geben wir uns auf, geben uns diesen Fluten hin – oder erlauben wir uns, eine neue Perspektive aufzunehmen, die uns aufrichtet, stärkt, ermutigt. Kurz: In unseren Herzen wird Ostern. Für Gott – und für unsere Mitmenschen.
Und wenn wir uns für Gott entscheiden, dann wird euer Leben anders. Denn Gott der Schöpfer und Herr der Welt, er kümmert sich um dich. Du bist nicht allein. Und schön, im Sinne Gottes wäre es, wenn wir das auch anderen signalisieren, ihnen in Liebe spüren lassen: Du bist nicht allein.
