Der für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Predigttext steht im 3. Kapitel des 1. Briefes des Apostels Paulus an die Korinther.
Was ist nun Apollos? Was ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begießt, sondern Gott, der das Gedeihen gibt. Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.
Soweit der Predigttext.
Worum geht es? Um Streit. Gemeindeglieder streiten sich, wer der bessere Verkündiger ist. Da gibt es die Paulus-Partei, die Petrus-Partei, die Apollos-Partei. Wer ist der bessere? Und jeder Verkündiger hat seine eigenen Akzente. Wer ist der bessere Redner?
Apollos war der gebildete Redner. Griechen liebten rhetorisch funkelnde Reden. Elegant waren sie, so lesen wir aus dem Brief des Paulus heraus, geschliffen, überzeugend. Apollos war vermutlich ein Heidenchrist, das heißt: Er war Grieche, glaubte an Götter, bevor Christus ihn zum Prediger berufen hat.
Paulus beschreibt seine eigene Rede als schwach, er kann nicht rhetorisch überzeugen, schlicht spricht er von der Bedeutung des Kreuzes. Aber: Er war zuerst in Korinth. Er hat den Grundstein gelegt, auf die dann Apollos wie Petrus das Gebäude der Gemeinde aufbauten.
Und Petrus? Er überzeugte allein dadurch, dass er Jesus kannte, von seinem Leben mit Jesus Christus sprach und stärker im jüdischen Gesetz verankert war. Er war eine traditionelle Autorität.
Trotz dieser Schwerpunkte, so schreibt Paulus, sind alle drei in ihrer unterschiedlichen Art Diener Christi und verkündigen das Evangelium. Dabei kommt es nicht auf rhetorische Brillanz an, nicht, ob man Jesus als Mensch kannte. Wichtig ist allein, im Glauben die Bedeutung von Jesus Christus erkannt zu haben. Von Jesus Christus ergriffen zu sein. Es kommt nicht auf die Diener an, es kommt allein auf Jesus Christus an. Es kommt auf den Vollender an, auf Gott, der Pflanzen gedeihen lässt, den Bau vollendet.
Die Grundlage ist also mit Jesus Christus gelegt. Doch auf dieser Grundlage, kann dann unterschiedlich gebaut werden. Mit Edelsteinen, mit Holz, mit Steinen, mit Stroh. Das Feuer des Gerichts wird zeigen, wer wirklich gut gebaut hat.
Dieser Text ist ein Scheinwerfer, der das Licht auf viele Facetten unserer weltweiten Kirche wirft.
Die christliche Kirche weltweit wächst äußerst schnell. Wir in unserem Bereich mögen es nicht so richtig wahrnehmen, aber in Afrika, in Asien wächst die Kirche so rasant, dass es schon gefährlich ist. Warum gefährlich? Weil es nicht nur ehrbare Bauherren gibt, sondern auch Scharlatane. Sie verführen die Menschen mit Ängsten, sie verführen sie in der Vermischung mit traditionellen Religionen, sie verführen Menschen mit Amoral. Das kann traurig machen – ja, aber keiner soll sich entmutigen lassen. Denn das gab es in der Kirche seit Anfang an. Jeder, der ein wenig in der Kirchengeschichte bewandert ist, weiß, was für üble Menschen im Namen Jesu Menschen verführten. Es wurde den Menschen Geld aus der Tasche gezogen zur eigenen Bereicherung, sexuelle Verführungen waren nicht selten, es gab Mord und Totschlag, Intrigen statt Liebe und Vergebung. Der Name Jesu wurde von Zauberern verwendet, er wurde von Totenkulten verwendet, er wurde missbraucht von Vertretern von Weltanschauungen wie Nationalsozialisten und Kommunisten. Dennoch hat sich Jesus Christus immer wieder mit seiner Gemeinde durchgesetzt.
Aber schauen wir nicht so weit in die Welt hinaus, schauen wir nicht in die Vergangenheit zurück. Wie gefährdet ist der grundlegende Satz:
Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem,
der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
Es geht nicht allein darum, in der Kirchengeschichte und auch heute, dass der Bau auf der Grundlage katastrophal sein kann. Es geht heute darum, dass immer wieder die Grundlage selbst in Frage gestellt wird.
Benötigt die Kirche von heute noch Jesus Christus? Ist es nicht viel moderner, das Beste aus den verschiedensten Religionen herauszuholen, zusammenzustellen – und das dann als wahre Religion in den Vordergrund zu stellen? Ich musste lesen, dass König Charles nicht allein als „Verteidiger des christlichen Glaubens“ angesehen werden will, sondern als „Beschützer des Raums für Glauben in einer multireligiösen Nation“. Eine Allerweltsreligion versuchen manche zu schaffen. Letztlich wird sowas als philosophisches Konstrukt untergehen.
Vielfach wird die Grundlage auch zerstört in unserem Land. Haben sie schon vom Berliner Stadtschloss gehört? An der Kuppel prangt ein aus neutestamentlichen Texten zusammengeführter Text:
„Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“
König Friedrich Wilhelm IV. hat ihn um 1850 anbringen lassen. Seit Jahren geht die große Diskussion darüber, dass dieser König kein demokratischer Herrscher war und Blut an den Händen hat. Aber wird der Spruch letztlich wegen König Friedrich Wilhelm IV. abgelehnt? Das Argument wird aus meiner Sicht als Vorwand benutzt, denn wirklich anstößig ist das Wort selbst.
Warum? Es geht heute vordergründig um falsch verstandenen interreligiösen und interkulturellen Dialog. Wenn nun Christus so dominant verkündet wird, dann stehen Weltoffenheit und Neutralität nicht mehr Zentrum des Denkens. Nichtgläubige und Menschen anderer Religionen könnten das als anstößig empfinden. Friedrich Wilhelm ist eigentlich egal. Christus stört. Und so will man dieses Spruchband mit einer Lichtinstallation überstrahlen. Wieweit es mit der Lichtinstallation gekommen ist, weiß ich nicht. Könnte zu teuer sein.
Spannend ist, dass das Wort am Stadtschloss ein Wort ist, vor dem Herrscher und herrschende Weltanschauungen zittern. Es ist ihnen ein Dorn im Auge. Warum? Wenn Jesus Christus der Herr ist, wenn das Heil, die Rettung allein in ihm gefunden wird, dann kann kein Hitler, kein Lenin kommen, dann kann kein Nationalsozialismus und kein Kommunismus, kein Islam und kein wer weiß was kommen, und die Herrschaft beanspruchen. Es ist ein herrscherkritisches Wort. Und das mögen herrschende Ideologien und sich aufplusternde Menschen gar nicht gerne hören.
Ich habe mich intensiv mit dem interreligiösen Dialog und auch mit dem Dialog mit dem Atheismus beschäftigt. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit den Weltanschauungen des Nationalsozialismus und des Kommunismus. Viele von diesen Leuten haben nichts dagegen, wenn Christen von Gott sprechen. Ja, auf „Gott“ können sich viele einigen oder auf irgendwelche Mächte oder auf die psychische Interpretation des Gefühls, dass es mehr gibt, als den Menschen. Heute sprechen manche nicht mehr so gerne von Gott, sondern vom „Universum“. In das Wort „Universum“ wie in „Gott“ kann jeder das hineinpacken, was er mag. Aber die Aggressionen kommen dann auf, wenn von Jesus Christus gesprochen wird. Dann kann nämlich nicht mehr jeder reinpacken, was er mag. Dann haben wir einen Maßstab, wir haben eine Grundlage. Jesus Christus. Da ist die Grundlage gelegt. Und diese wird bekämpft.
Sie haben sicher auch die Auseinandersetzung um den Fußballspieler Nmecha mitbekommen. Er hat mit anderen bei der Weltmeisterschaft auf dem Fußballplatz gebetet. Er hat eine Geste gemacht, dass er die Krone des Ruhmes ablegt und sie Jesus Christus zu Füßen legt. Was für eine Furore das gemacht hat! Aber wer hat in unseren Medien darüber gesprochen, dass viele andere Fußballmannschaften aus Südamerika, aus Afrika auf dem Fußballplatz gebetet haben? Wurde berichtet, dass der Trainer der spanischen Nationalmannschaft, der Weltmeister, Luis de la Fuente, Gott dankte? Nein, man konzentrierte sich auf Nmecha, weil so manche in unserem Land dabei sind, den Glauben an Jesus Christus zu durchlöchern. Dazu gehört auch der Liberalismus. Dessen Ansatz ist es, zu sagen: der Glaube ist Privatsache, der gehört ins Private und nicht in die Öffentlichkeit. Das Ziel besteht also darin, den Glauben wegzudrängen, um die eigene Weltanschauung wichtig werden zu lassen.
Wenn die Grundlage des Glaubens, also Jesus Christus, bekämpft wird, versuchen Menschen irgendeine Weltanschauung oder Religion an dessen Stelle zu setzen.
Eine andere Form des Kampfes gegen Jesus Christus besteht darin, Jesus Christus umzudeuten. So versuchten Nationalsozialisten innerhalb der Kirchen den Juden Jesus als Arier zu verkünden, Kommunisten versuchten innerhalb der Kirchen, Jesus als Kommunisten darzustellen. Vielfach wird heutzutage in afrikanischen und asiatischen Gemeinden versucht, Jesus als Kapitalisten darzustellen: Wenn du reich bist, bist du Christ, wenn du reich werden willst: Jesus Christus macht dich reich.
Ich habe mal ein Büchlein geschrieben: „Und noch ein Jesus“ – da ging es um zahlreiche Versuche auch aus innerchristlicher Sicht, Jesus neu zu deuten, bis dahin, dass mit Jesus Drogen, Sex und arabische Gottheiten verbunden wurden. Heute haben wir auch Jesus als Klimaaktivist und Vorkämpfer für ökologische Gerechtigkeit. Jesus wurde nicht nur Mensch, sondern Lebewesen – also sind auch Tiere nicht zu essen, Jesus ist nicht nur homosexuell, wie in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben wurde, sondern auch transsexuell. Jede Zeit bringt ihre eigenen Jesusbilder hervor. Manche zu Recht – aber immer muss gefragt werden: Was bezwecken die Verkünder des „neuen“ Jesus?
Wie wird auf der Grundlage, die im Neuen Testament gelegt wurde, weiter gebaut? Letztlich ist Gott der Richter, wie der Apostel betont. Aber wie auch der Apostel kritisch das beobachtet, was in der Gemeinde so vor sich geht, sollen auch wir kritisch beobachten.
Was bedeutet es, aber für uns selbst, wenn Christus die Grundlage ist?
Wenn jede und jeder für sich überlegt, was bedeutet es?
Mit Christus bewusst den Tag beginnen und beenden.
Mit Christus durch Lob und Klage gehen.
Zeiten der Angst und der Ratlosigkeit,
Zeiten der Krankheit und Gesundheit,
Zeiten der Freude und des Dankes,
Zeiten der Zweifel, Fragen und Resignation
mit ihm durchleben.
Im GebetsGespräch und dem Bewusstsein:
Ich bin nicht allein.
Sich von Schmeichlern und Bedrängern nicht beeinflussen lassen.
Dem Verführer und den Verführungen nicht nachgeben.
Nicht resignieren, sich nicht in Traurigkeit verhüllen,
sich von eigener und anderer Schuld nicht kleinmachen lassen,
sich die Freude nicht nehmen lassen: an Schöpfung und Gott.
In Familie und nahem Umfeld aus seinem Geist
in Liebe und Geduld, Freundlichkeit und Vergebung leben.
In Politik und Gesellschaft aus seinem Geist leben,
warnen, aufbauen, stören, ermutigen, seine Stimme sein.
Was bedeutet es, Christus die Grundlage sein zu lassen?
Denken und Herz und Sinne nach ihm ausrichten
im Schlafen und Wachen, im Leben und im Sterben.
Denn: Jesus Christus ist der Herr.
Einen anderen Grund kann niemand legen als der, der gelegt ist: Jesus Christus.
